Aalener Meldebehörde wurde auch überrascht: Täglich 100 Anfragen zur Steueridentifikationsnummer

Post vom Bundeszentralamt für Steuern (BzSt). Der unerwartete Brief mit einer neuen, 11stelligen Steueridentifikationsnummer, die künftig jeden Bürger von Geburt bis zum Tod begleiten wird, hat auch die Aalener Stadtverwaltung überrascht. Seit Wochenbeginn kämpft die Meldebehörde gegen das Chaos.

(© )
Denn zum Alltagsgeschäft in der schwächer besetzten Urlaubszeit laufen die Telefone heiß: täglich gehen mehr als 100 Beschwerden und Anfragen zu dem Schreiben aus Bonn ein. Schließlich ist als Rücksendeadresse die Meldebehörde im Aalener Rathaus angegeben. Und die wusste von nichts.
„Die Bundesbehörde hätte im Vorfeld besser informieren und die Aktion ankündigen müssen“ klagt Armin Maier, stellvertretender Leiter des Ordnungsamtes. „Es ist wie immer, die Basis darf die Suppe auslöffeln, die in Berlin zusammengerührt wurde“. Aalen hat, wie alle Kommunen in Deutschland im vergangenen Jahr den Datenbestand an das Bundeszentralamt für Steuern nach Bonn geliefert und auch alle Änderungen täglich per Datentransfer mitgeteilt, aber „wir wurden über die Briefaktion nicht informiert“ bestätigt Sabine Feil vom Bürgeramt. Jeweils zwei von acht Mitarbeiterinnen müssen nun am Telefon Auskunft geben und aufgeregte Bürger beruhigen. Viele Anrufer sehen keinen Sinn in der lebenslang gültigen Steuernummer, allerdings ist der Datenschutz kaum ein Thema. Eltern fragen, was sie mit der Nummer für ihr Kleinkind anfangen sollen, Hochbetagte können nicht glauben, dass das Bundeszentralamt auch ihnen eine Steuernummer zuordnet. Manche Angaben sind falsch. „So viele böse Anrufe haben wir schon lange nicht mehr bekommen“ klagt Feil. Sie und ihre Kolleginnen haben Verständnis und bemühen sich, alle Fragen zu beantworten.

$(text:b:500 Briefe bleiben liegen)$
Keine Antwort haben sie auf die Frage, was mit den Briefen passiert, die an das Aalener Rathaus zurückkommen, weil sie nicht zugestellt werden konnten. Bis jetzt sind das zirka 500 Briefe. Auch das hat die Bonner Behörde zu verantworten, denn die täglich gelieferten Änderungen im Datenbestand wurden dort nicht oder nicht vollständig eingepflegt. Macht 42 Cent Nachporto pro Brief. Auf Druck des Deutschen Städtetages ist jetzt geklärt, dass das Bundesfinanzministerium die Kosten trägt. Das Aalener Rathaus hat eine Liste der täglichen Rückläufe zu führen und dem Bundeszentralamt zu melden. Die nicht zustellbaren Briefe werden aufbewahrt, bis die Adressen mit Hilfe einer neu zu installierenden Software bereinigt und dem BzSt erneut zugeschickt werden können.
Wer die Nummer erhalten hat, dem empfiehlt das Meldeamt, das Schreiben abzulegen, keine Notiz von Schreibfehlern zu nehmen und die Steueridentifikationsnummer bei der nächsten Steuererklärung anzugeben. Die Bundesbehörde will in den nächsten zwei Jahren die zirka 80 Millionen Steueridentifikationsnummern vergeben haben. Zeit, die Probleme mit Software und Datenabgleich in den Griff zu bekommen.
© Stadt Aalen, 04.09.2008
Rücksendeadresse Stadt Aalen – die Stadtverwaltung war nicht informiert. 500 Rückläufe bleiben erst mal liegen.