Argentinisches Temperament trifft auf schwäbische Herzlichkeit

Die Kirchengemeine Herz-Jesu in Fachsenfeld ermöglicht es der Argentinierin Florencia Arias Morales seit Oktober ein Austauschjahr in Deutschland zu verbringen. Wie sich die Studentin das Leben hier vorgestellt hat und welche Bilder sich bestätigten, erzählte Florencia der Mitarbeiterin des Presseamtes Stephanie Stütz.

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Sie lacht, erzählt, gestikuliert und während des Zuhörens springt Florencias Fröhlichkeit automatisch auf den Zuhörer über. Dies bestätigen auch die Senioren im Café „Vergissmeinnicht“ in Abtsgmünd, in welchem Florencia seit wenigen Wochen ihr Praktikum absolviert. Auch wenn immer wieder ein argentinischer Begriff in den Sätzen zu hören ist, wird Florencia ohne Schwierigkeiten verstanden. Ein dreiwöchiger Deutschkurs bereitete die Argentinierin auf den Auslandsaufenthalt vor.

Von der Kirchengemeinde in ihrem Heimatdorf Santiago del Estro wurde die 24-Jährige für das Austauschprogramm ausgewählt. In den Jahren zuvor war es üblich, dass nur Deutsche nach Argentinien reisten. Die Umstrukturierung des Programms der Diözese Rottenburg ermöglicht seit Oktober vergangenen Jahres nun auch Südamerikanern sich für ein Jahr in Deutschland zu bewerben.

Um neben zahlreichen Ausflügen zu umliegenden Sehenswürdigkeiten und Städten auch das Arbeitsleben in Deutschland kennen zu lernen, durchläuft Florencia im dreimonatigen Wechsel verschiedene Soziale Einrichtungen. Das erste Praktikum absolvierte sie im Kindergarten Ave-Maria in Fachsenfeld und nach ihrer Zeit in Abstgmünd wird sie im Albstift tätig sein.
© Stadt Aalen, 02.05.2013

Hier im Ostalbkreis muss niemand alleine sein

Zu Hause in Argentinien studiert sie an der Universidad Católica de Santiago Psychologie. Wohin Florencia ihr Studium einmal führen wird, konnte sie beim Interview noch nicht sagen. Eine Aufgabe hat sie sich aber jetzt schon fest vorgenommen: gleich nach ihrer Rückkehr, möchte sie in Stantiago del Estro einen Seniorentreff einrichten. „Ich finde es schön, hier im Ostalbkreis muss niemand alleine sein wenn er älter wird. Es gibt so viele Möglichkeiten etwas gemeinsam zu machen, das gibt es in meiner Heimat nicht. Es freut mich, dass ich in meinem Auslandsjahr diese Arbeit lernen und unterstützen darf,“ schwärmt Florencia von der Mitarbeit in der Sozialstation. Einmal im Monat verfasst sie einen Brief, den sie in ihr Heimatdorf schickt. In diesem berichtet Florencia dann von ihren Erlebnissen, der vergangenen Wochen. „Als erstes hab ich von der Ordnung hier in Deutschland berichtet. Die Mülltrennung war für mich etwas ganz Neues. Das beeindruckt mich sehr“, erzählt sie. In Argentinien ist es nicht üblich Müll zu trennen oder seinen Tagesablauf minutiös in einem Kalender festzuhalten. „Bei uns wird das mit der Zeit und der Ordnung nicht so genau genommen. Was aber die Improvisation und Flexibilität angeht könnte Deutschland noch einiges von uns Argentiniern lernen“, scherzt sie. Auf die Frage wie sie mit dem schwäbischen Dialekt zurrecht kommt antwortet sie lächelnd: „Der Dialekt ist sehr schwer zu verstehen, aber gleichzeitig begeistert es mich, dass diese Sprache hier so gepflegt wird. Schwäbisch lerne ich vor allem bei den Senioren in der Sozialstation, zum Beispiel weiß ich nun, dass an fast jedes Wort ein „le“ gehängt wird.“ Um der Kirchengemeinde Fachsenfeld als Dank für die ihr entgegengebrachte Herzlichkeit einen Hauch argentinisches Temperament auch nach ihrer Abreise zu hinterlassen, veranstaltet Florencia seit Mitte März einen Tanzkurs für argentinische Folklore. „Der Austausch verändert nicht nur mich, sondern auch die Menschen um mich herum. Ich hoffe, dass es noch vielen jungen Menschen ermöglicht wird, solche Erfahrungen zu machen. Man lernt voneinander und erlebt eine fremde Kultur, zu der man nach einiger Zeit dazugehört. Ein bisschen „deutsch“ hab auch ich schon in mir, denn seit wenigen Tagen besitze ich einen Kalender.“