Bundesverdienstkreuz für humanitäres Lebenswerk

Oberbürgermeister Martin Gerlach hat am Dienstag, 21. September 2010 im Rahmen einer Feierstunde im kleinen Sitzungssaal des Rathauses das Bundesverdienstkreuz am Bande an Lilli Zapf überreicht. Dieses wurde ihr vom Bundespräsidenten auf Vorschlag des baden-württembergischen Ministerpräsidenten für ihren jahrzehntelangen Einsatz zum Wohle von Menschen in Weißrussland verliehen.

Lilli Zapf legte großen Wert darauf, dass diese Ehre nicht nur ihr allein zustehe. Viel mehr sei es auch ein Verdienst ihres verstorbenen Mannes und aller treuen Helfer und Spender. Nur dadurch sei das kontinuierliche Engagement bis heute möglich.

Oberbürgermeister Martin Gerlach blickte in seiner Laudatio zunächst zurück auf eine der schlimmsten Umweltkatastrophen aller Zeiten, der Reaktorschmelze von Tschernobyl am 26. April 1986. Ganze Landstriche wurden massiv kontaminiert und die Folgen für die Menschen dort sind bis heute katastrophal. Nach dem Fall des eisernen Vorhangs war in Aalen im Jahr 1991 die „Aktion Tschernobylkinder“ ins Leben gerufen worden. Diese besteht als einzige in der weiteren Umgebung bis heute fort und lädt Jahr für Jahr Kinder aus Mogiljow nach Aalen ein.

Im Dezember 1991 rollte der erste Hilfstransport nach Mogiljow, organisiert und begleitet vom Ehemann, Ludwig Zapf mit einem Lastzug seines Arbeitgebers. Erschüttert von der Not und den schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen der Menschen in Weißrussland beschloss die Familie, weitere Transporte zu organisieren.

„Sie hatten Ihre Lebensaufgabe gefunden und engagieren sich seither unermüdlich für die jährlichen Hilfskonvois, die 40 Stunden Nonstop unterwegs sind“ betonte Oberbürgermeister Gerlach. „Trotz aller logistischen Herausforderungen, immensen Anstrengungen und Schikanen der Behörden haben Sie sich nicht davon abbringen lassen, immer wieder auf’s Neue Helfer zu mobilisieren, Hilfsgüter zu organisieren und eine Gruppe zusammenzustellen, welche die LKWs auf der beschwerlichen Reise nach Russland begleiten sollten.“

Das Stadtoberhaupt betonte, dass Frau Zapf ein großes Feuer in sich trage, das bis heute brenne und den Ärmsten der Armen in Mogiljow Wärme spende. „Trotz Ihrer jahrelangen Verdienste prädestiniert Ihre Bescheidenheit Sie geradezu für die höchste Auszeichnung der Bundesrepublik Deutschland. Ich kann Ihnen bescheinigen, dass Sie mit Ihrem kleinen „Familienunternehmen“ der Auszeichnung in vollem Umfang würdig sind und sich besondere Dienste durch mitmenschliche Hilfe erworben haben.“
© Stadt Aalen, 22.09.2010

Viele kleine Wunder vollbracht

Lilli Zapf führte ihre Motivation auf die Not und Bedürftigkeit der Menschen zurück. „Im Rahmen der Einsätze konnten auch immer wieder kleinere Wunder vollbracht werden.“ Sie erzählte die Geschichte der kleinen Katja, fast blind und von den Ärzten in Mogiljow aufgegeben. Das Ehepaar Zapf schaffte es, sie mit ihrer Mutter nach Aalen zu holen, kostenlos zu operieren und organisierte Brillen. So konnte sie schließlich zum ersten Mal in ihrem Leben Farben sehen. Sie dankte allen treuen Wegbegleitern, Firmen, helfenden Händen und Spendern, ohne welche die Hilfe für die 400.000 Einwohner zählende Stadt in Weißrussland nicht möglich wäre. Die städtische Klinik mit 1.000 Betten würde ihre Arbeit ohne die Hilfstransporte aus Aalen kaum mehr fortsetzen können. Auf dem letzten Transport waren fast 800 Kilogramm Medikamente mit einem Warenwert von rund einer viertel Million Euro. „Dies verdeutlicht, welch gewaltigen Umfang die Hilfe aus Aalen inzwischen angenommen hat“ betonte Gerlach. Mit stehenden Ovationen würdigten die zahlreichen Gäste im Rathaus die humanitären Verdienste der Familie Zapf.