Busse haben in Aalen Vorfahrt

Den Traum von der „Grünen Welle“ träumen alle Verkehrsteilnehmer. Autofahrer wollen auf dem Weg in die Innenstadt morgens nicht von Fußgängern ausgebremst werden. In der Mittagspause haben die Ampeln rund um die Innenstadt selbstverständlich für Fußgänger auf grün zu stehen. „Grüne Welle“ auch für den zügigen Heimweg. Am Feierabend dann heißt es Vorfahrt für den Sport: wer will auf dem Rennrad oder dem Mountainbike schon an roten Ampeln warten? Gleiches denken sich Autofahrer, wenn nachts kein weiterer Verkehrsteilnehmer in Sicht ist. Also pochen nicht nur Autofahrer, sondern auch Fußgänger, Dreirad-, Rennrad-, Bus-, und E- Bikefahrer auf ihre „Grüne Welle“.

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„Zur Wirklichkeit im Straßenverkehr gehören aber nun auch mal die Gelb- und Rotphasen der Ampeln.“ Herbert Gail, seit über 30 Jahren Verkehrsingenieur im Aalener Tiefbauamt weiß wovon er spricht. Er ist Hüter von mehr als 50 Lichtsignalanlagen, wie es in der Fachsprache richtig heißt. Über den Verkehrsrechner beobachtet er an seinem Arbeitsplatz online den Verkehrsfluss an ampelgesteuerten Kreuzungen und Einmündungen im Stadtgebiet und sorgt für den optimalen Verkehrsfluss auf den Aalener Straßen.

Recht machen kann er es nicht jedem Verkehrsteilnehmer. Denn seit es Ampeln gibt, wird die Diskussion auch in Aalen darüber geführt. „Die erste Ampel in Aalen wurde bereits in den sechziger Jahren in der Bahnhofstraße installiert“ erinnert Gail. 20 Jahre später waren es in der Gesamtstadt bereits 50 Ampeln. Heute wird der Verkehr an 28 Knotenpunkten und Einmündungen durch die lichtgesteuerten Verkehrshelfer unterstützt. Weitere 28 Fußgängerampeln ermöglichen das sichere Queren von stark befahrenen Straßen. Nicht in den Zuständigkeitsbereich des Aalener Tiefbauamts gehören die Ampeln an der B29 beim Bauhaus und beim Kellerhaus.

$(text:b:Verkehrsentwicklungsplan 1995)$

1987 wurde die desolate Relaiszentrale im Aalener Rathaus durch den damals modernsten Verkehrsrechner (VSR) Deutschlands ersetzt. Gleichzeitig wurden alle Ampeln ausgetauscht und mit energiesparenden 10V- Lampen bestückt.

Mitte der 90er Jahre bekam dann der ÖPNV Vorfahrt in Aalen. Der Gemeinderat stimmte dem Verkehrsentwicklungsplan zu. Dieser baute die Verkehrsplanung und Steuerung auf sogenannten Push & Pull- Szenarien auf. Das bedeutete, dass der Umweltverbund aus Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV), Radfahrern und Fußgängern Vorrang gegenüber dem motorisierten Individualverkehr erhielt. Auf dieser Grundlage wurden in den Jahren 1998/ 99 in einer Zuschussmaßnahme 20 Ampeln mit Komponenten für eine Busbeschleunigung ausgerüstet. Um die Wirksamkeit der Maßnahme für den Zuschussgeber nachzuweisen, wurden umfangreiche Vorher-/ Nachheruntersuchungen mit dem Bus durchgeführt. Der Erfolg der Maßnahme konnte durch umfangreiche Vergleichsuntersuchungen eindrucksvoll nachgewiesen werden.

Die Busse melden sich über Induktionsschleifen an den Ampeln an und nach Überfahren des Haltebalkens wieder ab, wobei die Vorrechte an einzelnen Ampeln unterschiedlich geregelt sind.
© Stadt Aalen, 08.01.2013
Wenn Fußgänger queren wollen und die Ampel drücken ist die Grüne Welle für den Autoverkehr unterbrochen.

Fußgänger warten höchstens 80 Sekunden auf Grün

Zur Zeit sind 34 Ampeln an den zentralen Verkehrsrechner im Rathaus über das stadteigene Steuerkabelnetz angeschlossen. 22 Fußgängerampeln abseits des Steuerkabelnetzes und in den Stadtbezirken werden autonom betrieben. Dort fordert der Fußgänger Grün an, die Ampel schaltet für den Kfz- Verkehr rasch auf Rot. Damit sich kein Stau bildet, müssen nachfolgende Fußgänger bis zu 80 Sekunden auf ihre Grünphase warten. Diese soll mindestens fünf Sekunden dauern, damit der Fußgänger mindestens die Mittelinsel erreichen kann bevor der Autoverkehr wieder einsetzt. Es wird grundsätzlich versucht, den bei „Grün“ loslaufenden Fußgänger über die Mittelinsel auf die gegenüberliegende Gehwegseite zu leiten. Die an den Verkehrsrechner angeschlossenen Steuergeräte der Lichtsignalanlagen werden je nach Wochentag und Tageszeit mit bis zu vier Signalprogrammen gesteuert. Über Induktionsschleifen in der Fahrbahn und Videokameras können die Grünphasen verkehrsabhängig modifiziert werden. Mehrere Signalanlagen, wie z.B. die in der Julius-Bausch-Strasse zwischen Arbeitsamt und Kaufland, werden vollverkehrsabhängig gesteuert. Das bedeutet, alle Richtungen erhalten ihr Grün nach Verkehrsaufkommen. Die Ampel schaltet aus allen Richtungen auf Rot, wenn kein Grün angefordert wird. Das erste Auto das eine Induktionsschleife überfährt, erhält Grün. $(text:b:Hindernisse für die Grüne Welle)$ Planerisch gibt es „Grüne Wellen“ in der Stuttgarter Straße, Bahnhofstraße und Friedrichstraße. Diese werden allerdings durch Bus-, Rad- oder Fußgängeranforderungen unterbrochen. Auch bei zu starker Verkehrsbelastung oder falscher Fahrgeschwindigkeit wird die „Grüne Welle“ gebrochen. Mit Hilfe der 400 Induktionsschleifen- Detektoren, die für die verkehrsabhängige Steuerung an den 34 Lichtsignalanlagen vorgesehen sind, wird rund um die Uhr die Verkehrsbelastung gemessen und an den Verkehrsrechner übermittelt. Dort werden diese Werte verarbeitet und gespeichert. Die Ampeln werden über die Steuergeräte vom Verkehrsrechner, zu von der Verkehrsbehörde angeordneten Zeiten, automatisch ein-, um- und ausgeschaltet. Der Rechner protokolliert auch Störungen und speichert diese gerichtsverwertbar ab.