Fachtagung in Aalen: Breitband und Einzelhandel im ländlichen Raum

Die Versorgung und Sicherung der Infrastrukturausstattung in ländlichen Räumen ist für Kommunen und Wirtschaft ein dringendes Problem. Im Rahmen einer gemeinsamen Fachtagung von Stadt Aalen, DStGB, Gemeindetag Baden-Württemberg und imakomm AKADEMIE zeigten die Referenten Perspektiven und Lösungsansätze für diese drängenden Fragestellungen auf.

(© )
Noch immer gibt es Orte mit langsamer Internetverbindung und Ortslagen ohne die Möglichkeit zur Deckung des täglichen Bedarfs im Einzelhandel. Ein attraktives Lebensumfeld umfasst jedoch beide Themenbereiche und ist mitunter entscheidend für einen Zuzug oder Verbleib am Ort.

Mit Franz Reinhard Habbel als Sprecher des DStGB und Johannes Stingl als Beigeordneter des Gemeindetags Baden-Württemberg konnten herausragende Referenten für den Bereich der Breitbandversorgung aus bundesweiter und Landessicht gewonnen werden.

Einig waren sich die Experten, dass die Versorgung mit adäquatem Internet inzwischen ebenso zu bewerten sei wie Strom- und Wasseranschlüsse und einen harten Standortfaktor darstellt. Die Kommunen sind hier mit nicht nur reinen Internetanschlüssen konfrontiert, sondern mit einem Wandel der Lebensumstände. Die Bereiche Gesundheitswirtschaft, Bildung und Betreuung und auch Handel wurden veranschaulicht und ein kurzfristiger Bedarf von 50-100MBit prognostiziert. Trotz der im Bundesvergleich guten Versorgungslage in Baden-Württemberg müssen die Ziele hier stets angepasst werden. Problematisch ist hier der freie Markt, da gerade in ländlichen Regionen eine Wirtschaftlichkeit für mögliche Betreiber oft nicht gegeben ist. Zuschüsse und Fördermittel sind demnach weiterhin nötig, um Impulse zur weiteren Entwicklung zu setzen.

Aalenes Oberbürgermeister Martin Gerlach forderte, dass der Gesetzgeber dringende Weichenstellungen vornehmen muss, etwa im Bereich der Möglichkeit zur Umlegung der Kosten bei Neubaugebieten. Eine "digitale Kluft" zwischen urbanen und ländlichen Räumen dürfe nicht entstehen war man sich auch mit dem Auditorium einig.

Institutsleiter Dr. Peter Markert, imakomm AKADEMIE GmbH (Aalen), zeigte dann Perspektiven für die Sicherung und Weiterentwicklung des Einzelhandels im ländlichen Raum auf. Zentrale Botschaft: Auch kleinere Kommunen haben durchaus Ansatzpunkte für eine Sicherung des Handels am Ort, nutzen diese aber noch zu wenig. Anhand erfolgreicher Praxisbeispiele zeigte er Lösungsmöglichkeiten für kleine Kommunen auf: So kann über regionalplanerische Regelungen gerade kleinen Kommunen überhaupt erst die Möglichkeit zur Ansiedlung von Lebensmittelbetrieben gegeben werden. Über eine wohl überlegte interkommunale Abstimmung kann einer kleinen Kommune das nötige Kaufkraftpotenzial gesichert werden. Aber auch innerhalb der Gemeinde bestehen Lösungsansätze: So Kunden können durch pfiffige Maßnahmen gezielter von den Gewerbegebieten in die Ortszentren gelenkt werden, um so bisher ungenutzt, aber vorhandene Kaufkraft für die Gemeinde zurück zu gewinnen.
© Stadt Aalen, 11.10.2011