Gemeinderat besuchte Jena - Informationsfahrt zum Abschluss der Legislaturperiode

Zum Abschluss der Legislaturperiode hat die Aalener Stadtverwaltung den Gemeinderat zu einer Fahrt nach Jena eingeladen. Auf dem zweitägigen Besuchsprogramm standen die Vorstellung des Eigenbetriebs JenaKultur, Informationsgespräche bei der Jenoptik AG und eine Stadtführung. Daneben bot das vom OB-Büro vorbereitete Programm Gelegenheit zum geselligen Beisammensein und zur Verabschiedung derjenigen Gemeinderatsmitglieder, die dem neu gewählten Gremium nicht mehr angehören werden.

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Mit interessanten Vorträgen und Besichtigungen hatte das Vorbereitungsteam von Anfang an für den kommunalpolitischen Mehrwert der Reise gesorgt. Schon der erste Gang vom Hotel in die nahe gelegene Innenstadt, die vielbesuchte Goethe-Galerie, ein luftig überdachtes Geschäftszentrum auf dem ehemaligen Zeiss-Areal begeisterte die Aalener Delegation. Dort wo sich zu DDR-Zeiten ein streng abgeschirmtes Industriegebiet befand, pulsiert heute das Leben der 102.000 Einwohner zählenden Stadt an der Saale. Im Zentrum wurden die Gebäude für die Friedrich-Schiller-Universität frei gemacht, die 25.000 Studenten tragen wesentlich zu einer lebendigen Stadtkultur bei.
© Stadt Aalen, 16.07.2009
Günther Reißmann führt die Aalener Gäste durch die Produktausstellung von Jenoptik

Eigenbetrieb JenaKultur

Kultur war auch das Stichwort am Nachmittag bei der Besichtigung des „Volksbades“. Mit einem Aufwand von 5 Millionen Euro hat die Stadt das Bad aus dem Jahr 1919 vorbildlich saniert und zu einem modernen Veranstaltungshaus umgebaut. Zugleich ist das Volksbad Sitz des Eigenbetriebs JenaKultur, dessen Konzept die Leiterin Dr. Margret Franz den Aalener Gästen vorstellte. Mit Ausnahme des Theaters gehören alle Kultureinrichtungen der Stadt dem Eigenbetrieb an. Aber auch Märkte, Stadtführungen, Stadtfeste und Festivals wie die jährliche Kulturarena organisiert JenaKultur mit derzeit 235 Beschäftigten und einem Etat von 19,5 Millionen Euro. Davon kommen vom Land Thüringen 1,5 Millionen für die Philharmonie, die Stadt steuert 12 Millionen bei und der Eigenbetrieb muss aus eigenen Erlösen wie Kartenverkauf, Museumseintritten und Bibliotheksgebühren 6 Millionen Euro erwirtschaften. „Für uns hat sich die Gründung des Eigenbetriebs bewährt“ betonte die Leiterin, Dr. Margret Franz und zählte die Vorzüge auf: Kontinuität der Kultureinrichtungen, Kostenverlässlichkeit, flexible Personalführung und Budgetverantwortung der Einrichtungsleiter, neue Netzwerke der Kulturschaffenden und höhere Motivation der Mitarbeiter. Die Kulturarbeit werde als Standortfaktor gewürdigt, was sich in 2008 mit mehr als 2 Millionen Besuchern bestätigte. Nach einem Rundgang durch das Haus dankte Oberbürgermeister Martin Gerlach für die sehr interessanten Einblicke. Klar sei, dass das Modell auf Jena zugeschnitten sei und nicht einfach kopiert werden könne. „Zu bedenken ist immer die eigene Geschichte der Einrichtung und die spezifischen Bedürfnisse der Kommune“ bestätigte Franz. $(text:b:Vorstellung der Jenoptik AG)$ Am Samstag stand ein Besuch bei Jenoptik auf dem Programm. Finanzvorstand Frank Einhellinger ging ausführlich auf die Geschichte des Unternehmens ein mit den gemeinsamen Wurzeln von Zeiss Oberkochen und Jenoptik und den schweren Jahren des Umbruchs nach der Wende. Aus dem VEB Carl Zeiss Jena mit 69.000 Beschäftigten und 25 Betrieben hat sich Jenoptik zum Optoelektronikkonzern mit 3.400 Mitarbeitern weltweit entwickelt. Fünf Sparten zählt die Aktiengesellschaft: Optische Systeme, Laser- und Materialbearbeitung, Industrielle Messtechnik, Verkehrssicherheit und Verteidigung und zivile Systeme. Über das Engagement des Unternehmens für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf berichtete der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates, Günther Reißmann. Der Bau eines Kindergartens auf dem Betriebsgelände, der täglich von 6 bis 20 Uhr geöffnet ist, sei ein harter Standortfaktor, wenn es um die Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter gehe. Im Sponsoring engagiert sich das Unternehmen darüber hinaus auf den Gebieten Wissenschaft, Kunst und Kultur. Nach vertiefenden Gesprächen und einer lebendigen Stadtführung kehrte die 32köpfige Aalener Delegation am Samstagabend mit einer Fülle von Anregungen nach Aalen zurück.