Gewalt gegen Frauen und Kinder – nicht in unserer Stadt

Am Dienstag, 5. Februar 2013, haben sich die Beauftragten für Chancengleichheit, Ingrid Krumm (Landratsamt), Elke Heer (Schwäbisch Gmünd) und Uta-Maria Steybe(Stadt Aalen) zusammen mit den Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter und Christian Lange zu einem Arbeitsgespräch getroffen. Die Gleichstellungsbeauftragen traten zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ an die politischen Vertreter aus Berlin heran, um ihre Arbeit über die Landesgrenzen hinaus durchzusetzen.

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Die Zahlen zeigen es deutlich - Gewalt in Familien ist keine Seltenheit. Alle sozialen Schichten sind davon betroffen. Erschreckend ist die Tatsache, dass Kinder, die in gewaltbereiten Familien aufgewachsen sind, im Verlauf ihres Lebens auch zu Gewalttätern werden. Eine besondere Form der Gewalt ist die Zwangsverheiratung. Ein Großteil der Frauen wird durch Drohung der Familie zur Heirat gezwungen, häufig auch durch Waffengewalt. „Das ist kein Klischee, sondern auch in Aalen Realität“, betont Steybe auf Grundlage ihrer eigenen Berufserfahrung. Laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums sind 30% der zwangsverheirateten Frauen minderjährig. Für 2010 war eine Informationshotline für Betroffene angekündigt, diese wurde bis heute nicht online geschaltet. „Das einzige Kommunikationsmittel, mit dem wir die jungen Frauen erreichen, ist ihr Handy!“, weist Steybe auf deren Notwendigkeit hin.
© Stadt Aalen, 19.02.2013

Aalener Modell einmalig

In Aalen existiert seit 1993 das so genannte „Aalener Modell“ zur Intervention bei häuslicher Gewalt. Es beruht auf vier Optionen, die den Beratungsstellen erlauben , die Frauen und Kinder gezielt der jeweiligen Situation entsprechend zu betreuen. Die wohl bekannteste Maßnahme bei häuslicher Gewalt ist die Unterbringung der Betroffenen in Frauenhäusern. Hier kooperiert das Präventionsnetz Ostalbkreis mit dem Frauenhaus Schwäbisch Gmünd. Diese Schutzeinrichtung bietet den traumatisierten Betroffenen eine tägliche Rundum-Betreuung. Da sich Notfälle nicht nach dem Kalender richten, können in Aalen Frauen und Kinder in voll möblierten Notfall-Wohnungen untergebracht werden. Da in akuten Fällen nicht sofort ein Platz im Frauenhaus zur Verfügung steht, kann auf diese Maßnahme ausgewichen werden. Drei weitere längerfristige Schutzwohnungen bilden die dritte Option des „Aalener Modells“. Hier wird den Opfern ein Aufenthalt von maximal vier Jahren eingeräumt. Somit wird verhindert, dass die Kinder aus ihrem gewohnten sozialen Umfeld gerissen werden. Die vierte Möglichkeit der gezielten Hilfe, ist der von der Polizei ausgesprochene Platzverweis des Täters. Durch Schlüsselentnahme und dem Verweis aus der Wohnung wird den Gewaltopfern Sicherheit in der gewohnten Umgebung gewährt. Des weiteren wurde das Thema Stalking und der durch das Prostitutionsgesetz geforderte Menschenhandel in der Gesprächsrunde erörtert. Mit eindrucksvollen Argumenten und Praxisbeispielen forderten Krumm, Heer und Steybe die beiden Abgeordneten auf, ihre Appelle in Berlin zu diskutieren und das „Aalener Modell“ als Vorbild für andere Regionen vorzustellen.