Heilpädagogischer Fachdienst

Was ist Heilpädagogik?

Die Heilpädagogik wendet sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die in besonderen Lebenssituationen eine besondere Erziehung/Unterstützung benötigen. Sie kann als “spezialisierte Pädagogik” verstanden werden und arbeitet “Nicht gegen den Fehler, sondern für das Fehlende.”

Heilpädagogisches Handeln ist ressourcenorientiert und zielt auf die gleichberechtigte Teilhabe eines jeden Menschen am gesellschaftlichen Leben ab.
Heilpädagogen sind ausgebildet, Menschen mit besonderen Bedürfnissen Begleitung, Förderung und Integration anzubieten.

Was ist der Heilpädagogische Fachdienst?

Der Heilpädagogische Fachdienst der Stadt Aalen ist zuständig für die Kinder der fünf städtischen Kindertageseinrichtungen, deren Eltern und die dort tätigen pädagogischen Mitarbeiter/innen.

Die Heilpädagogen/innen sind Teil der Teams und regelmäßig im Alltag in den Einrichtungen anwesend.  Sie können bei Entwicklungsschwierigkeiten und Erziehungsfragen gezielt von Eltern und Erziehrinnen hinzugezogen werden. Sie unterstützen Kinder, die auf Grund ihres Verhaltens oder ihrer Entwicklung einen besonderen Förderbedarf haben.

Gemeinsam mit den Eltern und Erzieher/innen wird überlegt, welche weiteren Hilfen sinnvoll sind und welche Schritte veranlasst werden sollen, um für das Kind gute Entwicklungsbedingungen zu schaffen.

Unser Bild vom Kind

"Das Kind ist von Anfang an darauf angelegt, sich selbst zu verwirklichen, gleichsam zu werden, was es ist. Dem Erwachsenen ist aufgegeben, die entsprechenden Bedingungen zu schaffen.“"

Maria Montessori

Die Entwicklung eines Kindes ist geprägt von seiner individuellen Lebensgeschichte, unterschiedlichen Vorerfahrungen und seiner genetischen Anlage. Es besitzt eine Vielfalt einzigartiger Besonderheiten wie sein Temperament/Charaktermerkmale, seine Stärken und Schwächen, seine Eigenaktivitäten, sein individuelles Entwicklungstempo, sowie die Bedingungen seines Aufwachsens.

Die Entwicklung des Kindes wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Entscheidend ist das Umfeld in dem das Kind aufwächst. Eltern, Geschwister, Erzieher/innen und andere wichtige Bezugspersonen sind Vorbilder und Modelle, bei denen das Kind Strategien und Beziehungsverhalten beobachtet und übernimmt.

Die heilpädagogische Entwicklungsbegleitung berücksichtigt stets das soziale Umfeld des Kindes und bezieht es in ihre Planung und Förderung mit ein.

Der Heilpädagogische Fachdienst will keine „Schablonen“ anlegen, an die das Kind angepasst wird, sondern vertraut darauf, dass Kinder „Akteure ihrer eigenen Entwicklung“ sind. Dem Kind wird dialogisch entgegen getreten mit dem Bemühen, gemeinsam Entwicklungen in allen Bereichen zu eröffnen. Die Heilpädagogik ist nicht nur eine Frage der Wissenschaftlichkeit, sondern auch eine Frage der inneren „Haltung“.

Grunddimensionen der Haltung gegenüber dem Kind nach Carl Rogers: 

  • Akzeptanz: Anerkennen aller Gefühle und jeden Verhaltens, bedingungslose Wertschätzung
  • Kongruenz: Echtheit im Umgang eigener Gefühle, Verhaltens und Einstellungen dem Anderen gegenüber.
  • Empathie: Einfühlungsvermögen in die Erlebenswelt des Kindes eintauchen, nachzuempfinden wie der andere fühlt und denkt.

Diese Grundhaltungen bilden den Rahmen in der heilpädagogischen Begleitung. Dadurch wird der Inklusionsgedanken lebendig und die Ermöglichung der gesellschaftlicher Teilhabe zum Tragen.

Wie unterstützen wir?

Unterstützung von Kind und Eltern
Unterstützung von Kind und Eltern (© Stadt Aalen)

Die Kinder
Die Heilpädagogen/innen sind in das Kindergarten-Team integriert und verbringen jeweils einen Vormittag in der Woche in den Einrichtungen. Somit sind sie den Kindern bekannte / vertraute Personen.
Die individuelle Begleitung findet sowohl im Rahmen der Freispielbegleitung als auch in der Kleingruppe statt. Hierdurch kann die Förderung und Begleitung im gewohnten Umfeld der Kinder stattfinden. 
Die Kinder haben die Möglichkeit im Alltag eine stabile Beziehung und Vertrauen zu den Heilpädagogen/innen aufzubauen.

Die Eltern
Eltern können sich bei Fragen zur Entwicklung und Erziehung ihres Kindes vertrauensvoll an die Erzieher/innen und Heilpädagoge/innen wenden.
Je nach Bedarf können folgende Unterstützungen angeboten werden:

  • Elternberatung in Erziehungs- und Entwicklungsfragen, zum Beispiel auch darin, wie Eltern dem besonderen Förderbedarf ihres Kindes gerecht werden können
  • Klärung des aktuellen Entwicklungsstandes (Diagnostik, …)
  • Gemeinsame Suche nach geeigneten Fördermöglichkeiten
  • Beratung bei der Lernortklärung, zum Beispiel durch die Teilnahme des Kindes am Einschulungsverfahren
  • Neben der Förderung der Kinder im Alltag vermittelt der Heilpädagogische Fachdienst auch verschiedene Angebote in Aalen und Umgebung (Intensive Sprachförderung, Psychomotorik, Schulvorbereitung, …) für Eltern und Kinder.
  • Benötigt ein Kind eine Eingliederungshilfe (Begleitung durch eine Integrationskraft), unterstützt der Fachdienst die Eltern bei der Beantragung beim Landratsamt und bei der weiteren Förderplanung.

Die Erzieher/Innen
Da der Heilpädagogische Fachdienst Bestandteil der Teams ist,  können sich die Erzieherinnen bei Fragen direkt an die Heilpädagogen/innen wenden und deren spezielles Fachwissen nutzen.

Beobachtungen, Beratungen oder Fallbesprechungen gemeinsam mit den heilpädagogischen Fachkräften führen oft zu Perspektivveränderungen und ermöglichen das Finden neuer Ansätze zur Unterstützung des Kindes im Alltag.

Heilpädagogische Diagnostik

Wie bei der Entdeckung der Bildungsthemen der Kinder, kann ein gezieltes Förderangebot nur auf der Grundlage einer Diagnostik erfolgen. Im Vordergrund der heilpädagogischen Entwicklungsdiagnostik steht die Beobachtung und Erkundung des Lebensumfeldes des Kindes, um seine Ressourcen zu entdecken.

1. Anamnese (Erfragen von Lebens- und Entwicklungsabschnitten)

  • Anamnesegespräch mit den Bezugspersonen (Schwangerschaft, Geburt, Verlauf der Kleinkindphase, …)
  • Einholen von Informationen über vorangegangene Diagnostik
  • Rücksprache mit evtl. beteiligten therapeutischen Institutionen

2. Diagnostik

  • Verhaltens- und Spielbeobachtung
  • Interaktionsbeobachtung
  • Entwicklungsdiagnostik mit spezifischen Testverfahren
    (zum Beispiel: Wiener Entwicklungstest, SON 2 ½ - 7, K-ABC, verschiedene standardisierte Beobachtungsverfahren,…)

Die verschiedenen diagnostischen Verfahren werden eingesetzt um weitergehende Informationen über den aktuellen Entwicklungsstand zu erhalten.

3. Zusammenfassung der Ergebnisse und gegebenenfalls die Erstellung eines Förder- und Handlungsplans.

4. Auswertung und Perspektivenentwicklung mit den Bezugspersonen und Erzieher/innen und evtl. Rückmeldung an die beteiligten Institutionen.
Eine diagnostische Abklärung kann nur mit schriftlicher Einverständniserklärung der Eltern stattfinden.

Kooperation und Vernetzung

Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Institutionen bilden ein ergänzendes System und bietet ein umfassendes Angebot für Kind und Familie als Hilfestellung und Orientierung an. Dabei wird die Familie in ihrer Ganzheit mit ihren individuellen Umfeld gesehen. Je besser die Zusammenarbeit koordiniert ist, umso besser können die Ansätze zielgerichtet umgesetzt werden, um eine optimale Ressourcennutzung anzustreben. 

Eine enge  Kooperation besteht mit den Beratungsstellen für Frühförderung und Erziehungshilfe in Aalen und Wasseralfingen. Jährlich werden Angebote wie z.B. die Schulvorbereitungsgruppe,  das Kieler Einschulungsverfahren, Psychomotorik durchgeführt.

Die Schulvorbereitungsgruppe hat das Ziel, das Vorschulkind mit seinem individuellen Entwicklungsstand gezielt auf die Schule vorzubereiten. Die pädagogischen Schwerpunkte liegen u.a. auf  der Förderung der Feinmotorik, Auge-Hand-Koordination, Konzentration, Körperwahrnehmung, Kontaktaufnahme sowie emotionale Stabilität und Selbstvertrauen.

Das Kieler Einschulungsverfahren ist eine Art „Unterrichtsspiel“, bei dem die Kinder Vorfreude auf die Schule entwickeln und gleichzeitig verschiedene Bereiche beobachtet werden können.

Das Kieler Einschulungsverfahren bietet den Eltern eine Entscheidungshilfe bei den verschiedenen Fragen zur Schulwahl, zum richtigen Zeitpunkt der Einschulung und Fördermöglichkeiten.

Psychomotorik: Die Psychomotorik ist ein bewegungs- und spielorientierter Ansatz, welcher die ganzheitliche Förderung der kindlichen Persönlichkeit umfasst. Der Schwerpunkt liegt nicht nur auf der Weiterentwicklung der Motorik, sonder auf der Stärkung von sozialen und emotionalen Kompetenzen. Das psychomotorische Angebot findet in einer konstanten Kleingruppe statt.  

Präventivklasse Hofen, Greut/Hofackerschule
Die Präventivklasse bereitet die Kinder gezielt auf den späteren Schulbesuch vor, bei denen sich im Kindergarten ein erhöhter Förderbedarf in verschiedenen Teilbereichen zeigt und eine Einschulung zum geplanten Zeitpunkt fraglich ist.

Eingliederungshilfe über das Landratsamt
Die Eingliederungshilfe unterstützt Kinder mit einem erhöhten Förderbedarf in den unterschiedlichsten Bereichen. Das Ziel dieser Hilfe liegt darin, Partizipation zu ermöglichen  und in ihrer Teilhabe zu unterstützen.

Dokumentation, Datenschutz und Schweigepflicht

Die Mitarbeiterinnen der Kindertageseinrichtungen unterliegen alle der Schweigepflicht. Dies betrifft insbesondere die Mitarbeiterinnen des Heilpädagogischen Fachdienstes, die oft mit besonders sensiblen Daten zutun haben. Alle personenbezogenen Daten und Informationen unterliegen dem Datenschutz und werden nur mit Einverständnis der Erziehungsberechtigten an Dritte weitergegeben.

Nach Abschluss einer Maßnahme oder Entlassung des Kindes werden die Unterlagen so wie Testergebnisse an die Eltern gegeben beziehungsweise werden die persönlichen Notizen der Mitarbeiterinnen vernichtet.