Internationale Projekte geben Denkanstösse für Aalener Architektur

Architekt Martin Haas verwirklicht Visionen nachhaltigen Bauens

Der renommierte Architekt Martin Haas hat im Aalener Rathaus vor rund 200 Besuchern interessante Perspektiven moderner Architektur eröffnet. Viele seiner Ausführungen zu „vielfältigen Aspekten nachhaltiger Architektur“ ließen sich auf lokale Fragestellungen übertragen und lieferten wertvolle Denkanstösse für die Stadtentwicklung Aalen. Seine Ausführungen zum Schlauen Haus in Oldenburg ließen den viel diskutierten Durchstich vom Spritzenhausplatz zum Nördlichen Stadtgraben in neuem Licht erscheinen.

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Seit 2009 veranstaltet die Stadt Aalen gemeinsam mit der Architektenkammergruppe diese Veranstaltungsreihe. Mit einer Ausstellung und Vorträgen bekannter Architekten wird „planen – bauen – wohlfühlen in Aalen“ vor dem Hintergrund international bedeutender Architekturprojekte thematisiert. „Wir wollen damit die Diskussion um Wohnkultur und Architektur anregen“ sagte Baubürgermeisterin Jutta Heim-Wenzler in ihrer Begrüßung.

Martin Haas ist Partner des Architekturbüros Behnisch in Stuttgart, Mitglied in der deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen und hat seit 2009 eine Gastprofessur an der University of Pennsylvania in Philadelphia. Der Stararchitekt will dazu beitragen, dass zeitgenössische Architektur Verantwortung für die Zukunft übernimmt und damit wieder stärker in der Gesellschaft verankert wird. „Denn heute kann 80 Prozent der Bevölkerung mit traditioneller Architektur nichts anfangen“ weiß Haas.

„Was verstehen wir unter einem nachhaltigen Gebäude?“ fragte Haas und zeigte in seiner Präsentation ein traditionelles Einfamilienhaus „saniert und mit einer Solaranlage aufgepeppt“. Dass zukunfts-orientierte, nachhaltige Architektur mehr ist, dass sie das Lebensgefühl prägt und Ausdruck des gesellschaftlichen Miteinanders ist, zeigte Haas mit kurzem Rückblick auf die Moderne und an Beispielen zeitgenössischer Architekturprojekte.

Das Gegenkonzept erläuterte er an preisgekrönten Projekten seines Büros: die Unilever-Zentrale in Hamburg, ein lichtes, nachhaltiges Gebäude, das den öffentlichen Raum integriert. Das Gebäude ist ein Beispiel dafür, wie Architektur das soziale und kommunikative Miteinander der Nutzer positiv beeinflussen kann.
© Stadt Aalen, 29.03.2011
Auf größtes Interesse stießen seine Ausführungen zum Schlauen Haus in Oldenburg, das, vergleichbar den Herausforderungen am Aalener Spritzenhausplatz, die Quartiersstruktur berücksichtigt und das älteste Gebäude der Stadt mit einem lichtdurchfluteten Neubau verbindet. Oder der Entwurf für die Daimler-Hauptverwaltung, ein Bürogebäude, das sich mit intelligent genutzten Technologien den örtlichen Bedingungen anpasst. Die Fassade aus Bimetall öffnet oder schließt sich je nach Wetter- und Lichteinfluss. Vorhandene Technologien müssten intelligent eingesetzt werden und nachhaltige Architektur auch eine Antwort auf die Klimaveränderungen finden. Gebäude kön-nen sich den Jahreszeiten anpassen, im Winter geschlossen sein und wärmen und sich im Sommer öffnen, Schatten spenden und kühlen. „Wir sind erst ganz am Anfang“ resümiert Haas. Künftigen Architektengenerationen bliebe es vorbehalten, erstrebenswert Neues zu entwickeln, Bedürfnisse zu wecken und Lebenszusammenhänge in einer adäquaten Architektur darzustellen. Damit viele gute Ideen aus Wettbewerben und studentischen Projekten nicht verloren gehen, hat er mit anderen Vordenkern der Zunft das “future city lab“ mitbegründet. Das ist eine Internetplattform, auf der sich Architekten, Stadtplaner, Universitäten und der Architektennachwuchs austauschen.