Ismail Demirtas aus Aalen wird von Bundeskanzlerin Merkel ausgezeichnet

Wenn die Bundeskanzlerin Angela Merkel am 1. Oktober Gastarbeiterinnen und -arbeiter der ersten Generation empfängt, um deren Aufbau- und Lebensleistung zu würdigen, dann ist Ismail Demirtas aus Aalen dabei.

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Die Lebensgeschichte des 70Jährigen ist vorbildliches Beispiel einer gelungenen Integration. Mit unermüdlichem persönlichen Einsatz hat Demirtas über mehr als vier Jahrzehnte an der Verständigung zwischen Migranten und Deutschen in Aalen mitgewirkt. „Die Auszeichnung ehrt auch die Stadt Aalen. "Wir sind stolz auf Ismail Demirtas" sagt der Integrationsbeauftragte Michael Felgenhauer.

Ismail Demirtas hat viel bewirkt in Aalen, sein vorbildhaftes Engagement hat Spuren in der Stadtgemeinschaft hinterlassen: die sehr lebendige und herzliche Städtepartnerschaft zwischen Aalen und Antakya geht auf seine Initiative zurück. Bereits ein Jahr nach seiner Ankunft in Aalen, 1963 gründete er den türkischen Arbeiterverein in Aalen und Umgebung mit dem erklärten Ziel, seinen Landsleuten Hilfestellung für das Leben in Deutschland zu geben. Demirtas hat Generationen von Migranten geholfen, in Aalen heimisch zu werden.

Er hat Nachhilfe für türkische Schülerinnen und Schüler organisiert, den Fußballverein Türkspor mitbegründet und es 1985 erreicht, dass die Kicker gemeinsam mit deutschen und anderen Nationen in der Württembergischen Liga mitspielen dürfen. „Ich habe den Verband überzeugen können, dass dieser Part der Satzung und Spielerordnung uns Ausländer diskriminiert“ erinnert sich Demirtas. „Das Miteinander der Kulturen war mir immer wichtig.“

Er rief mit der Presse die Aktion „Deutsche Familien laden Gastarbeiter zu Weihnachten ein“ ins Leben und gründete eine Folkloregruppe, die auf der Touristikmesse CMT Werbung für die Türkei und für Aalen machte. Und schließlich geht auch der 1988 gegründete Ausländerbeirat auf seine Initiative zurück, der nun als Ausschuss für Integration neu formiert wird.
© Stadt Aalen, 22.09.2008

Wissensdurst und kontinuierliche Fortbildung

Offenheit, Neugier, Lernbegierde, Toleranz und Menschenliebe sind die Grundlagen dieses Lebenswerkes. Dass Demirtas auch als junger Mann die Hürden der Vorurteile mühelos überwinden konnte und in Arbeitskollegen und seiner „typisch schwäbischen“ Vermieterin in Unterkochen echte Freunde fand, das glaubt man ihm sofort. Die dunklen Augen des zierlichen Herrn sprühen, wenn Erinnerungen lebendig werden und er in anschaulichen Worten erzählt, wie er im Februar 1962 von der türkischen Südküste auf der kalten Ostalb ankam. Das Eis zwischen dem Gastarbeiter Demirtas und den Einheimischen brach schnell. „Die Sprache ist der Schlüssel, um die Normen und Werte einer Gesellschaft zu verstehen. Sie ist das beste Instrument zur Integration“, weiß er aus eigener Erfahrung. Schon 1962, sofort nach der Ankunft nahm Demirtas bei einem türkischen Arzt Deutschunterricht am arbeitsfreien Sonntag. „Dafür zahlte ich vier Mark, obwohl ich selbst nur 2,25 DM die Stunde verdiente.“ Sprachkenntnisse haben auch seine berufliche Entwicklung geprägt. Wissensdurstig bildete sich Demirtas stets fort, besuchte die Berufs- und Technikerschule, ließ sich zum Sozialbetreuer ausbilden, gab Deutschkurse an der Volkshochschule und ist heute noch als Übersetzer tätig. Obwohl ihn eine Krankheit zwang, 1999 den Job als Sozialberater ausländischer Arbeitnehmer aufzugeben, ist der Siebzigjährige nach wie vor gefragt. „Er ist Kenner der Szene und Vertrauensperson“ betont der Integrationsbeauftragte der Stadt, Michael Felgenhauer. Und Ideen hat Ismail Demirtas auch mit siebzig Jahren: „Ich möchte gerne etwas mit den türkischen Rentnern unternehmen“.