„Keine Gewalt in unserer Stadt“ – erfolgreiche Prävention

Aalener Modell ist einmalig im Land

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Häusliche Gewalt ist kein Tabuthema mehr. Dies ist eine Erklärung, warum landes- und kreisweit die Zahl der Polizeieinsätze in diesen Fällen zurückgeht. In Aalen ist das engmaschige Netz, das Polizei, Ordnungsamt, Frauenbeauftragte und Landratsamt zur Prävention geknüpft haben ein weiterer Erfolgsfaktor.

Eilten im Jahr 2006 Polizei und Betreuerinnen noch in 48 Fällen bedrohten und misshandelten Frauen und Kindern zu Hilfe , wurden im ersten Halbjahr 2008 zwölf Einsätze gezählt. Auch die Zahl der Platzverweise sank von acht auf vier.

„Wir sind im Ostalbkreis die Stadt mit den wenigsten Platzverweisen“ betont die Aalener Frauenbeauftragte Uta Maria Steybe. „Nicht weil es hier weniger häusliche Gewalt gäbe, sondern wegen des Aalener Modells, das greift, bevor Blut fließt“ sind sich die Kooperationspartner sicher. Vier Optionen stehen den Behörden in enger Absprache offen:

$(list:ul:der Platzverweis
~die Unterbringung der Frau und ihrer Kinder im Frauenhaus
~eine Notfallunterkunft für einen Zeitraum von 3 Tagen bis zu sechs Wochen
~Unterbringung in einer Schutzwohnung für einen möglichen Zeitraum von zwei bis vier Jahren.)$
Seit dem Jahr 2000 gibt es den Platzverweis. Er ermöglicht es den Behörden bei häuslicher Gewalt, die inzwischen Straftatbestand ist, den Täter aus dem Umfeld der Misshandelten fern zu halten. Kein leichter Entschluss, der von Einsatzbeamten oft nachts oder am Wochenende schnell getroffen werden muss. Besteht Gefahr für Leib und Leben der Frau und Kinder? Hält sich der Täter an den Platzverweis? Oder sind die Opfer nach wie vor in Gefahr? „Unsere Einsatzkräfte sind gut geschult. Wir beraten und betreuen. Und begleiten die Frau, wenn sie Anzeige erstattet zum Amtsgericht und zur Staatsanwaltschaft“ erklärt Anton Abele vom Aalener Polizeirevier.

„Das System greift“ bestätigt die Leiterin des Aalener Rechts- und Ordnungsamtes Sonja Fehrenbacher den positiven Trend.

Ist die Frau extrem gefährdet und muss die Familie intensiv betreut werden, kommt eine Unterbringung im Frauenhaus in Frage. Dagegen finden traumatisierte und orientierungslose Frauen in der Aalener Notfallunterkunft, einer eingerichteten Vierzimmerwohnung zwischen drei Tagen und sechs Wochen Raum, um zur Besinnung zu kommen.
© Stadt Aalen, 06.08.2008

Sechs Schutzwohnungen stehen zur Verfügung

Als einzige Stadt landesweit hat Aalen zudem sechs Schutzwohnungen zur Verfügung. Hier können Frauen mit ihren Kindern einige Jahre leben, Fuß fassen und neu Pläne schmieden. Unter dem Motto „keine Gewalt in unserer Stadt“ bekennt sich Aalen zu dieser Freiwilligkeitsleistung. Die sinkenden Zahlen belegen, dass die Prävention greift und Betroffene aus der gesamten Region davon profitieren. Seit 1995 wurden in den Schutz – und Notfallwohnungen 91 Frauen mit 221 Kindern untergebracht. Viele Frauen nehmen das Beratungsangebot zum Thema häusliche Gewalt in Anspruch: die Frauenbeauftragte zählte allein in diesem Jahr 84 Gespräche in 41 Fällen. 32 Frauen kamen aus Aalen.