Literarische Streifzüge Dein Theater

„Fisch ohne Fahrrad – wunderlicher Alltag mit Mascha Kaléko“

„Fisch ohne Fahrrad, wunderlicher Alltag mit Mascha Kaléko“ heißt das Programm, in dem Leben, Schicksal und Dichtung einer Frau des 20. Jahrhunderts von Katharina Reich und Barbara Mergenthaler (Dein Theater Stuttgart) am Donnerstag, 2. Oktober 2003, 20 Uhr im Torhaus, Paul-Ulmschneider-Saal, dargestellt werden.
Die Lyrikerin Mascha Kaléko, geboren 1907 in Schidlow/Galizien, heute Polen, gestorben 1975 in Zürich, wuchs als Tochter russisch-jüdischer Emigranten in kleinbürgerlichen Verhältnissen auf. 1914 flüchtete die Familie nach Deutschland. Ab 1918 hatte sie ihren Wohnsitz in Berlin. Nach Mittlerer Reife absolvierte Mascha Kaléko eine kaufmännische Lehre, daneben belegte sie Abendkurse in Philosophie und Psychologie an der Humboldt-Universität. 1928 heiratete sie den Journalisten Dr. Saul Kaléko.
Ab 1929 erschienen erste Gedichte von ihr in verschiedenen Berliner Zeitungen. Ernst Rowohlt verlegte 1933 ihr erstes Buch „Das lyrische Stenogrammheft“, 1935 das „Kleine Lesebuch für Große“, eigenwillig-ironische, schnoddrig-unsentimentale Momentaufnahmen aus dem Berliner Großstadtalltag. Klabund, Tucholsky, Ringelnatz, Thomas Mann und Hesse rühmten den neuen Ton ihrer Zeitgedichte, gemischt aus Skepsis und Trauer, Humor und Wehmut. Kalékos Gedichte hatten Erfolg, aber keine Wirkung mehr. 1935 wurden ihre Bücher in Berlin verbrannt. 1938 floh sie mit ihrem zweiten Mann nach New York.

Ihre Gedichtbände „Verse in Dur und Moll“ (1967), „Das himmelblaue Poesie-Album“ (1968), „Hat alles seine zwei Schattenseiten“ (1973) blieben zur Zeit ihres Erscheinens von Kritik und Öffentlichkeit unbeachtet.
© Stadt Aalen, 26.09.2003