Neues Aalener Projekt fördert Integration: „Azubi statt ungelernt“

„Azubi statt ungelernt“ ist ein weiterer Meilenstein in der Integrationspolitik der Stadt Aalen. Was vor Jahren mit gezielter Sprachförderung in Kindergärten begann, wird nun in einem weiteren Schritt mit dem, von der EU geförderten Projekt fortgesetzt. Bessere Zukunftschancen und gesellschaftliche Integration über berufliche Ausbildung – davon sollen mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund profitieren. Der Weg führt in erster Linie über die Eltern.

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Wer aber aus einem anderen Kulturkreis kommt, kennt das duale deutsche Ausbildungssystem nicht und kann die Arbeitsmarktbedingungen nur schwer einschätzen. Die Statistik belegt, dass Jugendliche mit Migrationshintergrund eine um 20 Prozent geringere Chance auf eine betriebliche Ausbildung haben als ihre deutschen Mitschülerinnen und –schüler.

Hier setzt das Aalener Projekt an, das die Stadt in Kooperation mit der Aktion Jugendberufshilfe Ostalbkreis (AJO) durchführt: drei Berufswerber, die selbst Migrationserfahrung haben und die in ihrem Kulturkreis gut vernetzt sind, begleiten Schüler der Klasse 7 bis 10 auf dem Weg in eine betriebliche Ausbildung. Ansprechpartner sind in erster Linie die Eltern, die in Sachen Berufswahl die wichtigsten Berater ihrer Kinder sind. Und die Berufswerber nutzen ihr Netzwerk von Vereinen und Religionsgemeinschaften, um ihr Klientel zu beraten. „Wir sehen Vielfalt als unsere Chance“ betont der Integrationsbeauftragte Michael Felgenhauer. „Es geht uns darum, kein Talent zu verlieren.“ Bereits im Januar wird Oberbürgermeister Martin Gerlach Beteiligte wie den Arbeitskreis Schule-Wirtschaft, die Handwerkskammer, Schulen und Berufsschulen zum Runden Tisch einladen. „Jeder junge Mensch, den wir über das Projekt in Ausbildung bringen ist Gold wert für unsere Gesellschaft“.

Dass die Stadt Aalen diesen Bereich nicht den Bildungsträgern überlässt, liegt im Leitbild begründet. „Nachhaltigkeit und Chancengleichheit waren die beiden großen Themen des Prozesses“ erläutert Uta-Maria Steybe, Beauftragte für Chancengleichheit und demografischen Wandel. Zwar sage die Prognose für Aalen bis 2020 stabile Bevölkerungszahlen voraus, „aber wir werden auf jeden Fall bunter“. Schon heute haben in der Kernstadt 47 Prozent der 0 bis 3-jährigen und 54 Prozent der 3 bis 6-jährigen Kinder Migrationshintergrund.

OB Gerlach stellte die beiden neuen städtischen Beschäftigen vor, „die in ihren Communities hervorragend vernetzt sind und die Jugendlichen dort erreichen, wo sie zuhause sind“. Die Lebenswege der Berufswerber sind gute Beispiele einer gelungenen Integration.

$(text:b:Julia Wilhelm)$ ist Russlanddeutsche und kam vor zehn Jahren nach Deutschland. Die gelernte Grundschullehrerin ist beim Landratsamt und begleitet Migranten in allen Angelegenheiten. Mangelnde Kenntnisse über das Bildungs- und Ausbildungssystem seien das größte Hindernis, bestätigt Wilhelm. „Ich weiß aber auch, wie schwer es ist, wenn Sprachkenntnisse fehlen.“ Umso wichtiger sei die Beratung in der Muttersprache.

$(text:b:Muammer Ermis)$ kam mit sechs Jahren nach Aalen und wuchs auf dem Rötenberg auf. „Vor 20 Jahren hätte ich auch einen solchen „Kümmerer“ gebraucht“. Nach dem Hauptschulabschluss an der Schillerschule und der Fachhochschulreife absolvierte Ermis ein BWL-Studium und machte sich selbstständig. „Ich arbeite gerne mit Menschen“ freut er sich auf die neue Aufgabe. „Jugendliche sind wie wertvolle Rohdiamanten, die einen Feinschliff benötigen“.

$(text:b:Saadet Aslan)$ wird als dritte Berufswerberin im Auftrag der AJO in Aalen unterwegs sein. Nach Realschule, Friseurinnenausbildung und Berufsjahren als Selbstständige ist sie seit 2010 bei der AJO in der Berufseinstiegsbegleitung tätig. „Wir werden die aktive Elternarbeit und themenbezogene Veranstaltungen in Moscheen und Vereinen fortsetzen. Auch unsere türkischen Mentorinnen und Mentoren helfen beim Übergang von der Schule in den Beruf“ erläuterte AJO-Geschäftsführerin Petra Walter.
© Stadt Aalen, 04.12.2012