Neues Bildungsangebot in Aalen: Studium Generale

Einen Beitrag zum Bildungsangebot in Aalen leistet das neue Studium Generale, eine gemeinsame Veranstaltung der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW), des Kulturamts der Stadt Aalen und der Volkshochschule Aalen. Es richtet sich sowohl an Studierende der HTW als auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger. Im Wintersemester beschäftigt sich das Studium Generale mit dem Thema interkulturelle Kommunikation.

In einer Zeit zunehmender Globalisierung sind internationale Kontakte an der Tagesordnung. Möglichkeiten zum Zusammentreffen mit anderen Kulturen und mit Ansichten, die in ihnen ihren Ursprung haben, wachsen ständig. Reisen, berufliche Kontakte und Medien geben Einsicht in die Relativität des eigenen Kulturstandards. Die individuelle Wahrnehmung der Realität ist nicht universell. Ob es sich beispielsweise um die angemessene Kleidung, richtige Begrüßung, Rollenverhalten oder auch um den Gegensatz von Gut und Böse handelt – all diese Definitionen werden erlernt, verinnerlicht und weiter gegeben. Diese „Weltdefinitionen“ leben zwar durch den Einzelnen weiter, bestehen aber unabhängig von einzelnen Personen. Sie bilden die Standards einer Kultur.

Die Vortragsreihe „Kultur und Kommunikation“ nähert sich dieser Thematik in vielfältiger Weise: Der Einführungsvortrag definiert die Begrifflichkeit interkultureller Kommunikationstheorien. Als Fallbeispiele für interkulturelle Kommunikation werden Indien und der arabisch-islamische Kulturraum vorgestellt. Schließlich beschäftigt sich das Studium Generale mit Popmusik und – am Beispiel des Weltkulturerbes – mit Architekturgeschichte als Ausdrucksformen kultureller Werte.

$(text:b:“Was ist interkulturelle Kommunikation?”)$

Dieser Frage geht Professor Dr. Alois Moosmüller vom Institut für Interkulturelle Kommunikation der Universität München im Eröffnungsvortrag am Dienstag, 21. Oktober nach.

Globalisierung und Internationalisierung sind Realitäten einer sich stetig verändernden Welt geworden, in der immer mehr Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller Prägung stattfindet. Damit wächst die Multikulturalität unserer eigenen Gesellschaft. Der Vortrag präsentiert einen Überblick der Theorien interkultureller Kommunikation und fragt nach den Möglichkeiten und Grenzen kulturübergreifender Verständigung.

Dabei wird interkulturelle Handlungskompetenz zunehmend zu einer Schlüsselqualifikation in Beruf und Gesellschaft. Interkulturelles Lernen verfolgt das Ziel, den eigenen Ethnozentrismus zu überwinden und über bewussten Perspektivenwechsel mehr Empathie und Toleranz zu schaffen.
© Stadt Aalen, 15.10.2008

„Kultur und Kommunikation in Indien“

Im zweiten Vortrag des Studium Generales beleuchtet die Indologin Maria Püschel die kulturbedingten Unterschiede zwischen deutschem und indischem Kommunikationsverhalten. Die Referentin gibt einen Überblick über indische kulturelle Werte und legt dar, welche Normen das Kommunikationsverhalten der Inder prägen und steuern und in welche Fallstricke ein in der deutschen Kultur verankerter Kommunikationspartner geraten kann. Nur wer kulturelle Vielfalt wertschätzt und als Chance begreift, wird erfolgreich interkulturell kommunizieren. Das gilt im Besonderen für die ungeheure kulturelle Vielfalt in Indien. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 21.Oktober statt. Über die „politische Kultur der USA im Spiegel der Popmusik“ referiert der Literaturwissenschaftler Dr. Werner Buthge am 18. November. "It's The Money That I Love" (Randy Newmann) und "Born In the USA" (Bruce Springsteen) sind Titel, die aus der Popmusik heraus auf US-amerikanische Politik verweisen. In der Lautstärke dieser Musik gehen - leider - für uns Deutsche die oftmals kritisch-ironischen Texte unter. Der Vortrag versucht anhand von Musik- und Textbeispielen eine vergnüglich historische Landeskunde zu zeichnen. Dazu werden Songs von den oben erwähnten Künstlern sowie von Tom Lehrer, Frank Zappa u. a. dienen. Die vierte Veranstaltung im Studium Generale ist ein Streifzug durch das Weltkulturerbe. Der Archäologe und Buchautor Lothar Clermont stellt die Frage: $(text:b:„Welche Kultur verbindet die Welt?“)$ Der Brückenschlag von den frühen Hochkulturen in Ägypten und Mesopotamien über die klassische Antike in Griechenland und Rom, die Spätantike in Byzanz, das Mittelalter in Europa bis hin zu den antiken und mittelalterlichen Reichen in Indien, China und Zentralasien hat zum Ziel, die Grundbedingungen zu verdeutlichen, unter denen Kultur länderübergreifend zu einem verbindenden Element für alle werden kann. Die gegenseitige Beeinflussung der Kunst- und Architekturstile aber auch die ihnen innewohnende "weltgeschichtliche" Gemeinsamkeit legen rote Fäden zu einer spannenden Gesamtschau. Die fotografische Weltreise beginnt am Dienstag, 2. Dezember. Im letzten Vortrag des Semesters beschäftigt sich Dr. Jürgen Wasella, Islamwissenschaftler und Arabist mit am Dienstag, 16. Dezember mit $(text:b:„Kultur und Kommunikation im Nahen Osten“)$. Die arabisch-islamische Welt ist nicht zuletzt durch die Anschläge vom 11. September 2001, den Nahost-Konflikt und den Irak-Krieg in Medien sehr präsent. Die Wahrnehmung der westlichen Öffentlichkeit wird stark von den Themen Gewalt, Fanatismus und religiösem Fundamentalismus geprägt. Daraus ergeben sich Besonderheiten für den interkulturellen Dialog mit dieser Weltregion. Der Vortrag behandelt zunächst den arabisch-islamischen Kulturkreis anhand der Kategorien interkultureller Kommunikation, um dann auf die kulturspezifischen Besonderheiten der religiös geprägten Werte, Traditionen und Verhaltensweisen einzugehen. Die konkreten Auswirkungen dieser Traditionen werden mit praktischen Beispielen und „Critical Incidents“ aus dem Alltagsleben, der Geschäftswelt und den Medien dargestellt. Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr in der Aula der Hochschule Aalen.