OB Martin Gerlach empfängt türkische Senioren

Vor mehr als 50 Jahren haben Deutschland und die Türkei das Abkommen über die Anwerbung von türkischen Gastarbeitern unterzeichnet. Oberbürgermeister Martin Gerlach hat dies zum Anlass genommen, drei türkische Zeitzeugen zu empfangen. In dem Gespräch ging es um die Jahre der kulturellen Annäherung und um Integration . „Wir sind Aalener geworden“ bekräftigten die drei Senioren.

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Das war nicht immer selbstverständlich. Als die ersten sogenannten Gastarbeiter Anfang der 60er Jahre nach Deutschland kamen, rechnete niemand, auch die Betroffenen nicht damit, dass sie eine neue Heimat finden und für immer hier bleiben würden. In den Wirtschaftswunder-Jahren war die kurzfristige Arbeitskraft der „Gäste“ aus Italien und der Türkei gefragt. Keine Rede war von dauerhaftem Bleiben oder gar von Integration.
Ismail Demirtas zum Beispiel. Er kam 1962 als Agrartechniker nach Aalen. Nach einer Lehre und Anstellung als Facharbeiter nahm sich der wissbegierige und kontaktfreudige Gastarbeiter schon bald der Probleme seiner Landsleute an. 1971 übernahm er die Sozialbetreuung türkischer Arbeitnehmer und deren Familien im Ostalbkreis und im Kreis Heidenheim. „Sprache ist der Schlüssel zur Integration“, so die Erfahrung des heute 75jährigen. Sein erstes, in Deutschland verdientes Geld gab er für deutschen Sprachunterricht aus, eine Investition, die er nie bereut hat.
© Stadt Aalen, 31.07.2013

Auch Angela Merkel empfing die Senioren

2008 empfing Bundeskanzlerin Angela Merkel Demirtas mit weiteren Migranten der ersten Stunde in Berlin und zeichnete diese für ihre Aufbau- und Lebensleistungen aus. Seit 48 Jahren lebt der 72jährige Izzet Urtimur in Aalen. Den Aalenern ist er bekannt als Fotograf, der im Auftrag die großen Ereignisse der Stadt und Familienfeiern dokumentierte. Hasan Kabakoglu, Aalener seit 1973, liegen besonders die Projekte rund um die Zielgruppe der türkischen Senioren am Herzen. Er engagiert sich für die Integration der türkischstämmigen Aalenerinnen und Aalener. Demirtas dankte OB Gerlach für die beständige Dialogbereitschaft. „Es gefällt uns, dass Aalen immer ein offenes Ohr hat für unsere Anliegen. Das galt sowohl für ihren Vorgänger Ulrich Pfeifle als auch für Sie“. So habe sich das Verhältnis zwischen Einheimischen, Migranten und Ausländern sehr positiv entwickelt. Dafür stehe das gute Miteinander der 120 Nationen, die religiöse und gesellschaftliche Toleranz und seit 30 Jahren das Internationale Fest in Aalen. „Ohne Sie und Ihre Kinder und Enkelkinder wäre Deutschland heute nicht so wirtschaftlich erfolgreich und kaum so weltoffen und bunt“ betonte Oberbürgermeister Martin Gerlach. Das gelte auch für Aalen. Sowohl die Integration der vielen Flüchtlinge nach dem zweiten Weltkrieg als auch die der ersten Migrantengenerationen, „ die Stadt hat stets von den fremden Einflüssen profitiert“ betonte Gerlach. Die diesjährige Sommeraktion „Wir sind Aalen“ sei ein gutes, mutmachendes Beispiel für eine bunte und starke Stadtgesellschaft.