Oberbürgermeister Martin Gerlach im Sommerinterview

Sommerzeit ist Ferienzeit. Auch Oberbürgermeister Martin Gerlach hat sich in den wohlverdienten Familienurlaub verabschiedet. Zuvor hat er im Interview Zwischenbilanz gezogen und sich zu wichtigen kommunalpolitischen Themen geäußert.

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$(text:b:Frage:)$ Herr Gerlach, wenn Sie an das letzte Jahr in Aalen denken, was fällt Ihnen dazu spontan ein?

$(text:b:Antwort:)$ Es war ein weniger aufgeregtes Jahr aber ein sehr fleißiges Jahr für mich und für die Mitarbeiter der Verwaltung. Wir haben zum Glück sehr viel zu tun gehabt mit der gewerblichen Entwicklung, wir haben sehr große Bauprojekte mit anschieben dürfen. Wenn man das Jahr Revue passieren lässt, muss man sagen, haben wir das mit sehr gutem Erfolg gemeistert.

$(text:b:Frage:)$ Welche Ziele, mit denen Sie hier angetreten sind, haben Sie erreicht?

$(text:b:Antwort:)$ Die Ziele waren natürlich vorgegeben: die gewerbliche Entwicklung und Aalen nach vorne zu bringen. Die Wertschöpfung - auch für den kommunalen Haushalt - basiert auf Gewerbesteuer und Einkommenssteueranteilen. All das, was wir miteinander gerne ausgeben im Gemeinderat muss irgendwo herkommen. Hier haben wir eine gute Bilanz vorzuweisen.

Der zweite Aspekt ist der Bereich Lebensqualität in Aalen. Auch da sind wir einen guten Schritt weitergekommen. Viele Projekte sind in Arbeit. Ein ganz charmantes Thema ist zum Beispiel die Beleuchtung der Innenstadt. Wir haben dafür eine Lösung gefunden. Das sind Dinge, die mich freuen und die ich gerne mit umsetze.

Die Stabilisierung der städtischen Finanzen bleibt uns als Ziel dauerhaft erhalten, obwohl wir auch da schon gute Ergebnisse vorlegen: in den drei Jahren meiner Amtszeit haben wir keine neuen Schulden aufgenommen, wir haben einen nicht unerheblichen Teil der vorhandenen Schulden bereits getilgt und wir haben Rücklagen, über die wir verfügen können. Man kann zurecht sagen: Ziel erreicht!

$(text:b:Frage:)$ Wie viele Kommunen setzt die Stadt Aalen auf "kinder- und familienfreundliche Stadt".
Mit vergünstigten Bauplätzen für Familien, Kindertagesbetreuung und der neu geschaffenen Stelle zur Koordinierung und Beratung. Reicht das aus oder müsste die Stadt noch mehr Profil entwickeln?

$(text:b:Antwort:)$ Ich meine, wir sind auf dem richtigen Weg. Die Rahmenbedingungen, die eine Stadt schaffen kann, um familienfreundlich zu sein, sind in Aalen im Wesentlichen vorhanden. Aber das Bessere ist der Feind des Guten. Wir werden das Thema Familienpass weiter entwickeln und die Qualität für die Bürger der Stadt Aalen spürbar verbessern.

$(text:b:Frage:)$ Die Städte werben um Neubürger, um angesichts des demografischen Wandels die Bevölkerungszahlen halten zu können. Aalen schneidet im Vergleich zu den Nachbarn ja noch ganz gut ab. Beruhigt Sie das?

$(text:b:Antwort:)$ Von einem Polster will ich nicht reden. Ich sehe eher eine gute Ausgangsposition, die uns Ansporn sein muss, mehr zu unternehmen, um die Stadt noch attraktiver zu machen. Die Initiativen die wir gestartet haben, waren erfolgreich. Vom internationalen Club, über den Citywalk für neu Hinzugezogene bis zum gemeinsamen Bewerben des Standorts mit den Personalabteilungen der Unternehmen. Das alles sind sehr gute Entwicklungen, es funktioniert mit großem Erfolg. Die Menschen werden dort leben, wo sie Arbeit finden.

$(text:b:Frage:)$ Ein weiteres wichtiges Thema ist die Bildung. Hier ist die Stadt Aalen als Schulträger gefordert. Bei rückläufigen Schülerzahlen muss viel investiert werden.

$(text:b:Antwort:)$ Ja, die Schullandschaft verändert sich, die Schulzeiten werden länger. Wir sehen es am G8, an der Entwicklung zu Ganztagesschulen, auch im Bereich der Hauptschulen. Darauf müssen wir reagieren. Wir investieren in sinnvolle Infrastrukturverbesserungen. Zum Beispiel müssen am Kopernikus-Gymnasium noch weitere Fachräume geschaffen werden. Es wird in diesem Schulzentrum im Tal möglicherweise wichtig sein, in der Zukunft an ein Stadion mit leichtathletischen Anlagen zu denken. Das möchte ich noch ein bisschen in der Perspektive sehen. Der Schulstandort Aalen bleibt somit attraktiv und wir werden sehr genau darauf achten, ob die Investitionen an den einzelnen Orten auch zukunftssicher sind.

$(text:b:Frage:)$ Ein weiterer Standortfaktor ist neben der Bildung die Kultur. Wie wollen Sie den Kulturstandort Aalen weiter entwickeln?

$(text:b:Antwort:)$ In Sachen Kultur sind wir natürlich in Aalen schon auf sehr hohem Niveau angelangt mit eigenem Stadttheater und sehr gut aufgestellten Einrichtungen. Wenn kulturelle Dienstleistungen trotz großer Bemühungen nicht nachgefragt werden, muss man darüber nachdenken, ob man dies in der Art und Weise weiter machen will. Das haben wir getan mit der Neugestaltung der Museumslandschaft, mit dem Haus der Stadtgeschichte und dem Museum in Wasseralfingen.

Wir werden auch an dem Thema Erlebniswelt Eisen und Geologie weiterarbeiten. Das ist ein touristisches Ausflugsziel für die gesamte Region, wir wollen es in Richtung Bildungseinrichtung weiterentwickeln. Denn was es dort zu vermitteln gibt ist schon einzigartig im Ländle. Damit können wir auch deutschlandweit antreten.

$(text:b:Frage:)$ Bleiben wir bei der Kultur und der Kunst. Auf der einen Seite bietet Schloss Fachsenfeld sehr hochwertige Veranstaltungen. Auf der anderen Seite war das Rathaus ja immer auch ein Ort für die Bildende Kunst. Wird es auch zukünftig Ausstellungen im Rathaus geben?

$(text:b:Antwort:)$ Dies bleibt natürlich so. Die Stiftung Schloss Fachsenfeld sehe ich schon als ein Teil dieser Stadt, obwohl sie als selbständige Stiftung ja nicht zur Stadtverwaltung gehört. Wir können uns ergänzen. Das betrifft auch den Kunstverein im Alten Rathaus. Wir müssen nur darauf achten, dass wir nicht Konkurrenzen schaffen, die mit den gleichen öffentlichen Mitteln bezahlt werden. Es sollte Ergänzung sein und kein Ersatz.

$(text:b:Frage:)$ Kommen wir zur Stadtentwicklung. Wohin entwickelt sich die Stadt? Was sind so die großen planerischen Schwerpunkte?

$(text:b:Antwort:)$ Wir wollen an die Brachflächen herangehen, dies bedarf einer positiven Entwicklung in der Stadt. Ohne Nachfrage, ohne Zuwachs und Zugewinn wäre es natürlich unmöglich, das anzupacken. Es ist immer mit höherem finanziellem Aufwand verbunden, aber notwendig, weil niemand brachliegende Quartiere im Innenstadtbereich akzeptieren kann.

Wir haben das Baustahlgelände, Ostertag an der Einfahrstraße in die Stadt. Und wir haben das Königergelände, das Schritt für Schritt eine gute Entwicklung nimmt. Interessant ist noch das Gelände der Union-Schuhcremefabrik unmittelbar an der Innenstadt.

$(text:b:Frage:)$ Stellt sich die Frage in welche Richtung es gehen soll. Gewerbeansiedlungen oder Wohnbebauung? Woran besteht Bedarf in Aalen?

$(text:b:Antwort:)$ Grundsätzlich für Beides. Es ist nur die Frage, was ist an welchem Standort richtig. Man könnte sich eine Mischung aus gewerblicher Nutzung und Wohnnutzung für den Bereich der Union vorstellen. Ich glaube, hier wäre vom Loft bis zum Gastronomiebetrieb zu Werbeagenturen einiges möglich, verbunden mit einem besonderen Wohnstil in diesem Quartier. Im Bereich Ostertaggelände zwischen Bahn und Einfallstraße wird sicher kein Mensch wohnen wollen. Dort ist eine gewerbliche Nutzung sinnvoller. Ich halt nur nichts davon, einen Supermarkt nach dem anderen in dichten Abständen zu eröffnen. Das kann nicht das städtebauliche Ziel sein. In diesem ruinösen Wettbewerb bleiben ein paar auf der Strecke, dann habe ich neue Brachen. Das gilt es zu vermeiden.

$(text:b:Frage:)$ Deswegen soll ja jetzt erst mal das Einzelhandelskonzept weitergeschrieben werden.

$(text:b:Antwort:)$ Ja. Denn so eine Stadt benötigt bestimmte Kenngrößen und Vergleichszahlen. Eine gedeihliche Stadtentwicklung hat auch was mit Erkenntnissen zu tun, die man hat, bevor man Tatsachen schafft. Für uns ist wichtig, dieses überholte Einzelhandelsgutachten zu aktualisieren. Um gesichert zu erfahren, was ist an welchem Standort aus heutiger Sicht richtig. Und wo sollte eine gewerbliche Entwicklung in Betracht gezogen werden.

$(text:b:Frage:)$ Wo sehen Sie Aalen im Jahr 2010?

$(text:b:Antwort:)$ Das ist natürlich eine spannende Frage. Mein Ziel ist es, den Boden für eine gute Entwicklung der Stadt bereitet zu haben. Das sollte 2010 z.B. im Bereich der Hochschule erkennbar sein, wir werden als Stadt unseren Teil dazu beitragen. Wir wollen die Bildungslandschaft entwickeln. Ich möchte die Bedingungen weiter verbessert haben, unter denen Schüler in Aalen lernen. Wir wollen mit der Infrastruktur vorankommen. Mit der Straßensanierung und bei den Sportstätten werden wir einige Schritte weiter sein.

Ich hoffe, dass die Verwaltung 2010 einen noch besseren Service bietet. Für die Rathäuser in den Stadtbezirken will ich Barrierefreiheit. Ich will das durchlaufende Erscheinungsbild. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten schon heute sehr gute Arbeit, aber das Umfeld muss für Kunden und für Mitarbeiter besser werden. Da gibt es gewaltigen Nachholbedarf.

$(text:b:Frage:)$ Zwischen Verwaltung und Gemeinderat lief es nicht immer rund. Die Gremien mussten sich an den neuen Stil gewöhnen. In diesem Jahr kamen die zwei neuen Dezernenten hinzu. Wie wünschen Sie sich die Zusammenarbeit von Verwaltung und Gemeinderat?

$(text:b:Antwort:)$ Wenn man die Entwicklung der letzten drei Jahre in die Zukunft fortschreibt, dann haben wir ja schon ein dienstliches Paradies in erreichbarer Nähe. In meinen ersten beiden Jahren in Aalen hat man es mir nicht leicht gemacht. Wir, die neuen Bürgermeister und ich als "alter Hase" mit drei Jahren Amtszeit in Aalen, können keine 16 und zwei mal 30 Jahre Erfahrung kompensieren. Aber wir bringen die Bereitschaft mit, dazuzulernen. Manchmal würde ich mir ein bisschen mehr Fairness wünschen. Wenn man einen starken Oberbürgermeister haben will und eine starke Verwaltung, die als Lokomotive dieser Stadt arbeiten und unter Dampf stehen müssen, wäre manchmal ein bisschen Unterstützung hilfreicher als das kollektive Einprügeln. In der Motivationslehre würde man andere Wege vorschlagen.

Trotzdem bin ich mit der Entwicklung der letzten Jahre sehr zufrieden. Die demokratische Kultur im Gemeinderat hat gewonnen. Ich halte es nicht für wichtig, alle Dinge vor den Sitzungen abzusprechen. Zum demokratischen Prozess gehört das Diskutieren in einer Sitzung, nachvollziehbar und transparent für die Bürger. Für Showveranstaltungen nach fixen Absprachen bin ich nicht zu haben.
© Stadt Aalen, 27.08.2008