Sprachförderung

Sprachförderung hat hohe Priorität

Sprachförderkonzept der Stadt Aalen

Die Kinder lernen spielerisch den Umgang mit der Sprache
Die Kinder lernen spielerisch den Umgang mit der Sprache (© Stadt Aalen)

Die Beherrschung der Sprache ist der Schlüssel für gesellschaftliche Teilhabe und entscheidend für alle Lernprozesse innerhalb und außerhalb von Kindergarten und Schule. Sprachförderung in den Aalener Kindertageseinrichtungen ist damit auch eine wichtige Aufgabe der Stadt, um den Aalener Kindern Chancengleichheit beim Schulstart bieten zu können. Die Stadt hat daher Kräfte und Ressourcen gebündelt, und, wo erforderlich, zusätzliche Mittel für die Sprachförderung bereitgestellt. So ist ein wirksames Gesamtkonzept entstanden, das seit dem Kindergartenjahr 2010/2011 Früchte trägt

Die Elemente des Gesamtkonzepts:

SPATZ (Sprachförderung in allen Tageseinrichtungen für Kinder mit Zusatzbedarf)

Die Kindertageseinrichtungen im Stadtgebiet beteiligen sich regelmäßig an diesen Sprachförderprogrammen des Landes, so dass jährlich zwischen 400 und 500 Kinder in Kleingruppen zusätzlich zur normalen Sprachentwicklungsbegleitung im Kindergarten gefördert werden.

Stadt finanziert zusätzliche Fachkräfte

Der Stadt Aalen ist bewusst, dass diese Sprachförderung insbesondere in Kindertagesstätten mit einem hohen Migrationsanteil nicht ausreicht, denn gerade hier reduziert sich für die Kinder das gute Sprachbeispiel durch die Spielkameraden leider erheblich.

Der Gemeinderat hat daher beschlossen, Einrichtungen mit einem Anteil von Kindern mit Migration mindestens mit 50 % zusätzlich zu fördern: es wurden 200.000 Euro für zusätzliche Sprachförderkräfte zur Verfügung gestellt. Diese besonders qualifizierten Fachkräfte fördern die Kinder im Alltag des Kindergartens gezielt unter Berücksichtigung spezieller Kriterien:

  • Sprache erlernen Kinder nur durch Sprechen und gute Sprachbeispiele von und mit Personen, zu denen sie eine Beziehung aufbauen konnten. Daher ist die Sprachpädagogin Mitglied im Kindergartenteam und während der Hauptbetreuungszeit der Kinder präsent.
  • Förderung der Kinder im Alltag, um die hohe Motivation und das Entwicklungsfenster der Kinder zu nutzen und direkte Übungsmöglichkeiten zu schaffen
  • Förderung der Kinder entsprechend ihres individuellen Bedarfs
  • Verzicht auf die ständige Separation von Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, statt dessen Schaffung von gemeinsamen Lernsituationen mit gutem Sprachbeispiel sowohl durch die Fachkräfte als auch durch die anderen Kinder
  • Einbezug und Sensibilisierung der Eltern für den Spracherwerb
  • Förderung der Kinder bereits mit Beginn des Kindergartenbesuchs

Zertifikatskurs „Sprachpädagogik“ an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd

Die Fachkräfte i.R. des Aalener Sprachförder-Konzepts werden an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd in einem einjährigen Zertifikatskurs „Sprachpädagogik“ qualifiziert.
Umgesetzt wurde dieses deutschlandweit einmalige Projekt von den im „Regionalverbund Sprachförderung“ zusammengeschlossenen Städten Aalen, Heidenheim und Schwäbisch Gmünd und Ellwangen gemeinsam mit der PH Schwäbisch Gmünd. Hierfür wurde eine Dozentenstelle an der PH geschaffen, die gemeinsam von den Projektpartnern finanziert wird. Es studieren dort gemeinsam 30 Erzieherinnen aus den beteiligten drei Städten, um Sprachförderung mit hoher Fachkompetenz leisten zu können.
Dadurch steht zur Zeit in 22 Aalener Kindertageseinrichtungen hoch qualifiziertes Fachpersonal für Kinder und Eltern zur Verfügung und die Zahl wächst ständig. In Einrichtungen mit einem höheren Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund wurde sogar der Personalschlüssel für diese Aufgabe angehoben.

Interkulturelle Kompetenz

Bei einem Gesamtanteil von ca. 40% an Kindern mit einem Migrationshintergrund im Stadtgebiet Aalen benötigen die Erzieherinnen generell eine besondere Sensibilität und ein besonderes Wissen um das Zusammenleben verschiedener Kulturen. Der Kindergarten ist meistens die erste öffentliche Institution, zu denen Eltern aus anderen Ländern regelmäßig Kontakt haben.

Dies weist den Erzieherinnen ebenfalls eine besondere Aufgabe und Verantwortung zu: Eltern und Kinder müssen herangeführt werden an die in Deutschland geltenden gesellschaftlichen Normen und Wertesysteme und an das Bildungswesen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Eltern auf Erzieherinnen treffen, die Menschen mit Migrationshintergrund aufgeschlossen gegenüber stehen und über Kenntnisse unterschiedlicher Kulturen verfügen.

Deshalb bietet das städtische Amt für Soziales in Zusammenarbeit mit dem Integrationsbeauftragten der Stadt Aalen regelmäßig Schulungen zur interkulturellen Kompetenz für Erzieherinnen an.

„Mama spricht deutsch“

In enger Zusammenarbeit zwischen der Stadt Aalen und der Familienbildungsstätte ist das Angebot von „Mama Spricht deutsch“ entstanden:

Die Erfahrungen haben gezeigt, dass einige Eltern, darunter oft Frauen, trotz der Verpflichtung zu einem Sprachkurs wenig Erfahrungen in der Deutschen Sprache haben oder sich nicht trauen zu sprechen. Dem soll dadurch entgegen gewirkt werden, dass direkt in den Kindergärten Kurse für diese Eltern angeboten werden. In kleinen Gruppen treffen sich die Eltern, um miteinander deutsch zu lernen oder zu üben. Da der Kindergarten einen besonderen Rahmen bietet, in dem Eltern sich regelmäßig begegnen und über gemeinsame Themen (Kindererziehung, Aktionen des Kindergartens o.ä.) austauschen können, entsteht eine Nachhaltigkeit, die oft nur hier in dieser Form möglich ist. Bei Bedarf können die Kindertageeinrichtungen sich an die Familienbildungsstätte wenden. Diese organisiert dann in der Einrichtung einen Deutschkurs für Eltern. Die Kurse finden ja nach Bedarf ein bis zweimal die Woche an jeweils ca. 1,5 Stunden statt.

Projekt „WortSchatz“ der Rotary Clubs

Nachdem der Rotary Club Ellwangen schon über viele Jahre beispielhaft den Kindergarten Peter und Paul bei der Sprachförderung (auch hier in enger Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd) unterstützt hat, haben sich erfreulicher Weise die Rotary Clubs der Region Ostwürttemberg zusammengeschlossen, um im Projekt „WortSchatz“ diese Arbeit ideell und finanziell zu unterstützen.