nklusion kann eine Chance sein

Erster Aalener Fachtag „Inklusion“ für Kindergärten und die Grundschule

Der Saal des Rettungszentrums war am vergangenen Freitag, 24. Oktober bis auf den letzten Platz gefüllt, als die Stadt Aalen zum ersten Fachtag „Inklusion“ speziell für Frühpädagogen einlud. Unter dem Motto „Verschiedenheit macht schlau – Gemeinsamkeit macht stark!“ wurde einen Tag lang der aktuelle Dauerbrenner „Inklusion“ in Vorträgen, Diskussionen und intensiven Workshops von allen Seiten beleuchtet. Der Inklusionsforscher Prof. Dr. Timm Albers stellte in seinem lebhaften Vortrag den aktuellen Sachstand zur Inklusion im Kleinkindalter vor.

(© Stadt Aalen)

Seit Anfang des Jahres hatte ein Team aus Lehrkräften und Erzieherinnen der Hermann-Hesse Schule und Annegret von Soosten, Fachberaterin für die städtischen Kindergärten, den Fachtag geplant und organisiert. Begleitet und unterstützt wurden sie dabei von der Initiative „Anschwung“, einer Initiative des Bundes, die wichtigen Ideen Anschwung geben will.

Besonders stolz waren die Veranstalter, auf das Kommen von Professor Dr. Timm Albers von der Universität Paderborn, der mit seinem Vortrag anhand zahlreicher Praxisbeispiele in das Thema einführte. Es gehe vor allem darum, Barrieren im täglichen Umgang mit Benachteiligten abzubauen. Dabei seien nicht nur Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung gemeint, sondern Albers fasst die Definition noch weiter und schließt  auch soziale Benachteiligungen, aufgrund der Herkunft, des Status, des Geschlechts und der Kultur mit ein. Wichtig sei es in jedem Fall, sich auf jemand so einzustellen, wie er sei. Dabei könne er kein Patentrezept verteile und am guten Beispiel zu lernen. „Schildern Sie aktuelle Situationen – nicht nur erfolgreiche, auch gescheiterte.“ meinte der Fachmann. Es gelte sehr sensibel zu sein, um dann in Situationen entsprechend reagieren zu können, in denen bestimmte Kinder ausgeschlossen würden.
Professor Dr. Albers hat zahlreiche Fachartikel und Bücher veröffentlicht, speziell zu Frage des richtigen Spracherwerbs und der sprachlichen Bildung. Im Vortrag berichtete er dann auch über Erfahrungen mit behinderten Migranten, die sozusagen „doppelt ausgeschlossen“ seien, da zur Behinderung noch sprachliche Probleme kämen.



Appell an die Kommunen für mehr Mut

Am Schluss seines Vortrags forderte Albers eine Flexibilisierung der Ressourcenverwaltung, er appellierte vor allem an die Kommunen, die Ressourcen freier zugänglich zu machen.  „Die Systeme müssen sich anpassen – und nicht umgekehrt.“ Inklusion kann aus Albers Erfahrung eine Chance sein, die Kommunen sollten mehr Mut bei der Umsetzung der Inklusionsziele zeigen. Er möchte bei den betroffenen Kindern die individuellen Bedürfnisse berücksichtigt wissen.
Dies führe nach seiner Erfahrung nicht automatisch zu höheren Kosten für den jeweiligen Träger. Schon eine Anpassung der täglichen Bring- und Abholzeiten bringe eine Verbesserung.



Ausbildung des Fachpersonals verbessern

Albers sieht ein großes Defizit bei der fachgerechten Ausbildung für das Personal an Kindergärten. Er hat die Idee einer präventiven Begleitung der Kinder durch gut ausgebildete Teams mit Sonder- und Heilpädagogen. „Aber – ganz wichtig, alle im Team erhalten das gleiche Gehalt“ fordert Professor Albers. Viele Initiativen und Ideen, so Albers, scheitern an den Strukturen, die nicht zusammenpassen wollen.
Hilfreich wäre dann eine professionelle Prozeßbegleitung, ähnlich wie hier in Aalen für die Planung des Fachtages angewandt. Die Stadt Aalen sieht er auf einem guten Weg,  den Aalener Inklusionspreis sehe er als ein sehr gutes Beispiel, lobt er abschließend.


Info

Noch in diesem Jahr beabsichtigt die Stadt Aalen einen Aktionsplan „Inklusion“ dem Gemeinderat zur Beratung vorzuschlagen. In allen Einrichtungen der Stadt Aalen sollen  Bildungs- und Chancengleichheit für jedermann/jedefrau, unabhängig von der Herkunft, Ausbildung – behindert oder nicht – gewährleistet sein.

© Stadt Aalen, 31.10.2014