Erwin Rommel und die Demokraten

Erinnerungskultur und Stadtentwicklung (1954-2020)

Erwin Rommel, Eugen Bolz, Karl Mikeler und Friedrich Schwarz: Die Straßennamen westlich der Schillerhöhe Aalen sind ein Abbild der Aalener Erinnerungskultur der 1950er Jahre. Wer diese Personen waren, wie es zur Benennung kam und was wir daraus heute (auch in der Schule!) lernen können, erfahren Sie im Folgenden.

Um 1950 entstand rund um den Mahnmalturm von 1954 ein neues Stadtgebiet Hüttfeld-Rohrwang. (© Stadtarchiv Aalen)

ACHTUNG: Diese Website ist noch in Bearbeitung. Es fehlen sowohl die Informationstexte der vier Persönlichkeiten als auch die didaktische Broschüre für Lehrer.

Traumabewältigung und Integration: Zehn Jahre nach dem mörderischen Zweiten Weltkrieg galt es nicht nur, Trost für die Aalener zu spenden, die ihre Väter, Töchter und Brüder im Krieg verloren hatten.Eine Mammutaufgabe war zudem die Integration tausender Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten. Zwischen 1939 und 1955 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl der Stadt Aalen.

Wohnraum fanden die Neubürger auch im Wohnquartier Hüttfeld, in dessen Mitte die Stadt 1954 einen Mahnmalturm errichtete. Sein Glockenläuten erinnert die Bevölkerung bis heute an die Toten und mahnt zum Frieden. Allerdings wurde im Totengedenken eine Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld und Verantwortung für den Krieg vermieden. Die Aalener waren unausgesprochen bemüht, die Wunden in der Stadtgesellschaft zwischen ehemaligen NS-Anhängern und NS-Gegnern nicht wieder aufzureißen.

Dieses stillschweigende „Ausklammern“ zeigte sich auch bei der Benennung der Straßen westlich der Schillerhöhe. Im Verlauf des Jahres 1955 verewigte der Gemeinderat sowohl die erklärten NS-Gegner Karl Mikeler, Friedrich Schwarz und Eugen Bolz im Straßenbild als auch Erwin Rommel, der als Militär lange von Hitler begeistert war. Wichtiger als die NS-Vergangenheit schien den Stadträten dabei die Einhaltung des politischen Proporzes. Bei der Ehrung berühmter Persönlichkeiten mit Aalener Bezug sollten die Sozialdemokraten (Mikeler), die Mitte (Schwarz, Bolz) sowie die Rechtskonservativen (Rommel) gleichermaßen berücksichtigt werden.

Am 19. Februar 2020 beschloss der Gemeinderat, diese bislang vorhandene Lücke in der Aalener Erinnerungskultur zu schließen. Die Erwin-Rommel-Straße soll erhalten bleiben, um die Rolle des Generalfeldmarschalls als Täter und Opfer des NS-Regimes aufzuzeigen. Zugleich sollen diese Stelen für Rommel und die drei lupenreinen Demokraten die Menschen zu einem kritischen Umgang mit der Vergangenheit einladen und somit ein Beitrag sein für eine lebendige Erinnerungskultur - nicht nur im Stadtquartier Hüttfeld.

©Stadtarchiv Aalen (Dr. Georg Wendt)