Städtebau braucht Sinnlichkeit und Veränderung

Der international renommierte Züricher Professor Carl Fingerhuth hat auf Einladung der Stadt Aalen und der Architektenkammergruppe Ostalb unter dem Thema „Die Stadt jenseits der Moderne“ vor rund 200 Zuhörern im Aalener Rathaus heutige Anforderungen an Architektur und Städtebau dargelegt.

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Oberbürgermeister Martin Gerlach war erfreut, zum zweiten Mal im Rahmen der Veranstaltungsreihe einen hochkarätigen Redner in der Stadt Aalen begrüßen zu dürfen. „Wir wagen mit dieser Serie den Blick über den Tellerrand hinaus. Prof. Carl Fingerhuth ist in Zürich geboren, aber in der Welt zuhause. Bei schrumpfenden Bevölkerungszahlen ergeben sich in der Stadtplanung veränderte Schwerpunkte, denen wir uns stellen müssen“ betonte Gerlach. Amos Engelhardt erklärte für die Architektenkammer, dass es stets ein wichtiges Anliegen sei, Baukultur und Nachhaltigkeit in der Architektur zu integrieren. Er lobte das gute Miteinander mit der Stadtverwaltung. Professor Fingerhuth begann mit einem Streifzug durch die Geschichte des Städtebaus. Dieser hätte sich stets auch an politischen und gesellschaftlichen Erfordernissen ausgerichtet und sei je nach Epoche einem stetigen Wandel unterzogen gewesen. „Die Städte wurden im Laufe der Zeit geprägt von rationalen, technischen Bauwerken. Heute ist es ein wichtiges Erfordernis, Sinnlichkeit einzubringen, damit das Stadtbild für jeden eine Bereicherung darstellt. Die Stadt soll mehr sein als nur ein funktionaler Ort“ so Fingerhuth. Die Moderne habe Veränderung zum zentralen Dogma gemacht. Es wurde erkannt, dass die Stadt erneuert werden müsse. Die Meinungen seien dabei zunächst unheimlich polar gewesen. Auf der einen Seite der Wunsch nach Veränderung, auf der anderen die Überzeugung, dass jede Veränderung schade. „Heute wird Veränderung als unerlässlich gesehen, da auf die Entwicklungen im sozialen, kulturellen und demographischen Bereich reagiert werden muss. Der Prozess darf allerdings nicht zu schnell ablaufen. Es muss ein Mittelweg zwischen Veränderung und Kontinuität gefunden werden.“ Im Städtebau seien viele Fragen abzuwägen und zahlreiche Meinungen zu berücksichtigen. Hier könne man nicht mit linearen Konzepten arbeiten, sondern müsse das öffentliche Gespräch suchen, um Verständnis bei der Bevölkerung zu erreichen. „Wettbewerbe in der richtigen Form und Durchführung sind immer noch das ideale Mittel, um Lösungen mit einem breit angelegten Dialog zu finden. Dies sind ganz wertvolle Prozesse.“
© Stadt Aalen, 16.03.2010