„Es wird schon nicht so schlimm!“ Lesung und Film zum 9. November

Den Auftakt der Aalener Veranstaltungsreihe zum Internationalen Tag gegen Gewalt macht am Sonntag, 8. November 2015 um 18 Uhr eine Lesung der Badischen Landesbühne Bruchsal in der St. Johann-Kirche. Im Gedenken an die Reichsprogromnacht, den 9. November 1938, stellt die Lesung die bis 2014 unveröffentlichte Novelle „Es wird schon nicht so schlimm!“ von Heinz Schweikart vor. Der Text war Grundlage für den DEFA-Film „Ehe im Schatten“ von 1947. Das Kino am Kocher zeigt den historischen Film von Kurt Maetzig am Dienstag, 17. November um 20 Uhr.

?Es wird schon nicht so schlimm!?
?Es wird schon nicht so schlimm!? (© )

Noch 1933 glaubten viele „es wird schon nicht so schlimm“. Ein Jahrzehnt später beginnt Schweikart seine Erzählung mit dem Satz „Heute wissen wir es.“  Es kam alles noch viel schlimmer. Text wie Film machen die menschlichen Katastrophen der NS-Zeit sehr eindrücklich und zeigen, wie in Deutschland Ende der 40er und Anfang der 50er Jahre die jüngste Geschichte rezipiert wurde.
Anlass für den Text ist das Schicksal des erfolgreichen Schauspielers und umjubelte Kinostars Joachim Gottschalk. Der Künstlerkollege und Freund Schweikarts war den Nationalsozialisten aufgrund der Ehe mit der jüdischen Schauspielerin Meta Wolf  mehr und mehr ein Dorn im Auge. Sie stellten Gottschalk  vor die Wahl, sich scheiden zu lassen oder er werde zur Wehrmacht eingezogen und Frau und Sohn nach Theresienstadt deportiert. Das Ehepaar zog den Freitod vor. Am 6. November 1941 vergasten sich Joachim und Meta Gottschalk zusammen mit ihrem achtjährigen Sohn Michael in ihrer Wohnung in Berlin-Grunewald.
Der Text, so in der Sendung Lesart im Deutschlandradio Kultur „erzählt ebenso schlicht wie eindrucksvoll von Irrtum und Anstand, Liebe und Treue in Zeiten der Gewalt“.
Der Film „Ehe im Schatten“ war einer der erfolgreichsten deutschen Filme während der ersten Nachkriegsjahre. Paul Maetzig drehte ihn auch im Gedenken an seine Mutter, die 1944 als Jüdin Selbstmord beging.

Karten für die Lesung gibt es in der Tourist-Information, Reichsstädter Straße 1, Tel. 07361 522358 oder im Internet unter www.reservix.de
Karten für die Filmvorstellung im Kino am Kocher sind unter www.kino-am-kocher.de erhältlich.

© Stadt Aalen, 02.01.2015