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Schubart-Literaturpreis und Schubart-Literaturförderpreis der Stadt Aalen

Für Sie da:
Natascha Euteneier Tel: 07361 52-1108
Karin Haisch Tel: 07361 52-1110
Stadt Aalen
Ausstellungen
Marktplatz 30
73430 Aalen
E-Mail: kunst@aalen.de
Öffnungszeiten Montag, 8.30 bis 11.45 Uhr und 14 bis 16 Uhr
Dienstag, 8.30 bis 11.45 Uhr
Mittwoch, 8.30 bis 11.45 Uhr
Donnerstag, 8.30 bis 11.45 Uhr und 15 bis 18 Uhr
Freitag, 8.30 bis 12 Uhr
sowie nach Vereinbarung

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Freiheitliches und aufklärerisches Denken
Der Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen trägt den Namen eines Mannes, der sich in der Geschichte des deutschen Geistes einen Ehrenplatz erwarb durch sein unerschrockenes Eintreten für die Freiheit des Bürgers und durch die Tragik einer zehnjährigen Festungshaft, mit der er für seinen Mut zu büßen hatte. Der Preis trägt zugleich den Namen einer ehemaligen freien Reichsstadt, deren innere Ordnung auf bürgerschaftliche Gesinnung und bürgerliche Freiheit gegründet war. Aus beidem ergibt sich die Bestimmung des Literaturpreises, den Schubarts Heimatstadt im Jahre 1955 zum ehrenden Andenken an den Dichter, Komponisten und ersten deutschen Journalisten gestiftet hat. Der Preis wollte ursprünglich neben eigentlichen Werken über Schubart auch literarische oder wissenschaftliche Arbeiten fördern, die der „Kräftigung des bürgerlichen Selbstverständnisses“ dienen und einer öffentlichen Auszeichnung würdig sind.
Durch die Änderungen des Statuts in den letzten zwei Jahrzehnten wurden die Grenzen der für den Preis in Frage kommenden Werke dann weiter gefasst. Der Preis kann an Personen verliehen werden, deren literarische Leistung in der Tradition des freiheitlichen und aufklärerischen Denkens von Christian Friedrich Daniel Schubart steht.
Derzeit ist der Preis mit 12 000 Euro dotiert und wird alle zwei Jahre jeweils um den Geburtstag von Christian Friedrich Daniel Schubart vergeben.
Seit 2011 wird auch der mit 5 000 Euro dotierte Schubart-Literatur-Förderpreis vergeben.
Die Jury setzt sich derzeit wie folgt zusammen: Irene Ferchl, Dr. Peter Kastner, Dr. Hans Kilb, Dr. Michael Kienzle und Irene Nießen.
Dem Preisgericht gehört der aktuelle Preisträger an, bis ein neuer gekürt ist. Die Amtszeit des Gremiums beträgt vier Jahre, der Gemeinderat kann sie um weitere vier Jahre verlängern.
Schubart-Literaturförderpreis
Im Wechsel mit dem Schubart-Literaturpreis wird seit 2009 der Schubart-Literaturförderpreis vergeben, sodass jährlich eine Preisverleihung stattfindet. Dieser Preis ist mit 5 000 Euro dotiert und wird von Sponsoren finanziert werden.

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Hauptpreisträgerin 2013: Jenny Erpenbeck
Der mit 12 ooo Euro dotierte Schubart- Literaturpreis 2013 geht an die Schriftstellerin Jenny Erpenbeck. Die Jury würdigt mit dieser Auszeichnung vor allem den Roman „Aller Tage Abend“, der im Herbst 2012 erschienen ist, aber auch das durchweg qualitätvolle Werk der 1967 in Ost-Berlin geborenen Schriftstellerin. Jenny Erpenbeck gilt als eine besondere Stimme innerhalb der jüngeren deutschen Literatur. Schon ihr Debüt, die „Geschichte vom alten Kind“ (1999) erntete viel Lob; einen großen, auch internationalen Erfolg feierte sie mit dem Roman „Heimsuchung“ aus dem Jahr 2008.
In „Aller Tage Abend“ unternimmt Jenny Erpenbeck ein literarisches Gedankenexperiment, in dem sie fragt: Was wäre gewesen, wenn das in Galizien geborene kleine Mädchen den Säuglingstod überlebt hätte? Oder wenn die erwachsene Frau nicht in einem sowjetischen Straflager umgekommen wäre?
Fünf mögliche Lebensgeschichten ein und derselben Protagonistin erzählt dieser Roman, begleitet ein individuelles Frauenschicksal von Brody über das Wien nach dem Ersten Weltkrieg und Stalins Moskau bis in das Berlin der DDR und der Wendezeit – umspannt also das ganze 20. Jahrhundert.
Die faszinierende Idee dieser Versuchsanordung, in der die fünf „Bücher“ jeweils durch Intermezzi verbunden sind, überzeugte die Jury ebenso wie die genaue und eindringliche Sprache. Dieser Roman mit seinen Gedankenspielen vor dem Hintergrund europäischer Geschichte zeigt, was Literatur vermag und ist große, preiswürdige Erzählkunst.
Förderpreisträgerin 2013: Patricia Görg
Den Förderpreis zum Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen im Jahre 2013 erhält Patricia Görg. Ihr im Berlin-Verlag 2012 erschienenes „Handbuch der Erfolglosen – Jahrgang zweitausendundelf“ ist scheinbar eine Chronologie des Jahres 2011, die Autorin aber verdichtet die Geschehnisse der Kalenderwochen des Jahres und begegnet diesen mit Exkursen und Fallgeschichten. Es entsteht ein spannendes Zueinander tatsächlicher Geschehnisse, welche die Leser möglicherweise vergessen hatten, mit essayistischen wie erzählerischen Reflektionen, Berichten, Miniaturen und Assoziationen großer literarischer Qualität. Aus der Vergangenheit hervorgezerrt, fallen die Geschehnisse oft ins Groteske und werden durch die Arrangements unterschiedlicher Textsorten mit Beschreibungen und Erzählungen zu Befunden der Gegenwart – vergnüglich, bissig, kultur- und politikkritisch. Das Herausholen der Erinnerungen ist keineswegs nur Reminiszenz an ein ereignisreiches Jahr, sondern die Autorin wagt den Blick, weltumspannende Ereignisse in einen größeren, übergeordneten Kontext zu stellen. Angesichts kultureller und politischer Komplexität ist es ein Blick auf ein Scheitern in einem globalen Pandämonium. Das „Handbuch der Erfolglosen“ reiht sich in die kritische Tradition von Schubart und der Aufklärung und nach der Lektüre entsteht der Wunsch, dass Görgs faszinierend entwickeltes Genre seine Fortsetzung findet.
Patricia Görg 1960 in Frankfurt am Main geboren und lebt heute in Berlin. Sie hat Theaterwissenschaft, Psychologie und Soziologie studiert. Sie schreibt Erzählungen, Essays und Hörspiele.
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