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Die Kulturdenkmale Aalens

Kleine Baugeschichten

Aalen ist reich an wertvollen Baudenkmalen. Anfang 2026 begann die Stadtverwaltung Aalen, besonders herausragende Baudenkmale der Stadtgeschichte mit Informationsplaketten zu versehen. Hier erfahren Sie - sortiert nach der Nummer auf der Plakette - mehr über die Geschichte dieser Bauwerke.

Die Baudenkmale der Stadt Aalen

Die Aalener Stadtkirche um 1950. (© Stadtarchiv Aalen)

Nach dem Einsturz des gotischen Vorgängerbaus 1765, bei dem tragischerweise auch die beiden Türmerkinder den Tod fanden, errichteten die Aalener bis November 1767 einen neue barocke Quersaalkirche aus Sandstein. Die Besonderheit ist, dass in der 39 Meter langen und 16 Meter breiten Kirche das liturgische Zentrum mit Altar, Taufstein und Kanzel sich in der Mitte des Baus befindet. Kunsthistorisch ragen neben dem liturgischen Zentrum, geschaffen vom Rokokokünstler Thomas Schaidhauf, vor allem die Deckenmalereien von Anton Wintergerst heraus. An der Orgelseite ist die Auferstehung und auf der Westseite die Himmelfahrt Christi zu sehen. Im Zentrum erschuf Wintergerst eine Darstellung des Jüngsten Gerichts. Vom 36 Meter hohen Turm erklingt unter der Woche um 18 Uhr, samstags um 11:45 Uhr sowie feiertags um 8:30 Uhr ein Choral in alle vier Himmelsrichtungen - gespielt von der Jugendkapelle der Musikschule Aalen.

"Spionrathaus" nach dem klassizistischen Umbau 1836. (© Stadtarchiv Aalen)

Das "Spionrathaus" war das erste Rathaus in Aalen. Ende des 14. Jahrhunderts errichtete die damals noch junge Reichsstadt an dieser Stelle ein Fachwerkrathaus, Vorgängerbau des heutigen Gebäudes, inmitten des Straßenmarkts. Hier entschied bis 1802 der reichsstädtische Magistrat, danach bis 1907 der württembergische Stadtrat über das Schicksal der Stadt. Der klassizistische Umbau des Rathauses erfolge 1836, das Mansardendach wurde 1884 aufgesetzt. Den besonderen Namen erhielt das Rathaus durch den Spionkopf im Uhrwerk des Rathauses - eine Schenkung aus Nürnberg zum Wiederaufbau des Rathauses 1636 nach dem Stadtbrand. Der Spion, Figur einer Wandersage, soll einstmals mit entwaffnender Ehrlichkeit und viel Chuzpe das Heerlager des Kaisers "ausspioniert" haben. Das passte gut zur Selbstwahrnehmung der Aalener, sodass der Spion identitätsstiftend blieb bis heute. 1907 zogen Stadtrat und Verwaltung in das schräg gegenüberliegende "Alte Rathaus" um, wo zuvor das Gasthaus Krone/Post untergebracht war. Im Anschluss diente das "Spionrathaus" als Geschäftshaus, von 1936 bis 1975 als Heimat- und Schubartmuseum und seit 1977 als Urweltmuseum. Heute ist zudem die Touristinformation im Spionrathaus untergebracht.

Das "Alte Rathaus" um 1907, ehemals Gasthaus Krone/Post (© Stadtarchiv Aalen)

Ein Vorgängerbau des Gasthauses stand an dieser Stelle bereits vor 1500, wodurch die "Krone" zu den ältesten Gasthäusern der Stadt gehörte. Dieses Gebäude ist ein Neubau von 1605, nachdem die erste Krone abgebrannt war. Der Kronenwirt war seit "alten Zeiten" auch Posthalter der Poststation, wodurch der Doppelname "Krone/Post" enstand. Das Gasthaus diente vor allem wohlhalbenden Kaufleuten und Adligen als Unterkunft. Es wird vermutet, dass auch Napoleon Bonaparte beim Durchmarsch gen Bayern am 6. Oktober 1805 hier eine Mittagspause eingelegt hat. In den 1840er Jahren entstand daraus eine Sage, wonach Napoleon beim Mittagessen in der "Krone" - aufgeschreckt durch Lärm auf dem Marktplatz - an ein Fenster trat und das Glas übersah, wodurch er sich verletzte. Laut Sage konnte sich Aalen also als erste Stadt rühmen, in der sich Napoleon eine blutige Nase geholt habe. Heute erinnert ein Fensterglas mit Napoleons Wappen am Erker an diese besondere "Begebenheit". 1907 bezogen Stadtrat und Stadtverwaltung das Gebäude und blieben bis 1975 hier, als das neue brutalistische Rathaus fertig war. Seitdem wird das Gebäude als Geschäftshaus, Museum (Kunstverein), als Theater und für die Gastronomie genutzt

Das Spital um 1907. (© Stadtarchiv Aalen)

Das Bürgerspital wurde 1719 am hiesigen Standort neu errichtet, nachdem der Vorgängerbau samt Heilig-Geist-Kapelle von 1468 am Ellwanger Torplatz im Stadtbrand 1634 vernichtet wurden. Das Wappenschild rechts am Haus verweist auf die reichsstädtischen Förderer des Gebäudebaus: "Herr Iohann Caspar Simon Bürger Meister / Herr Johann Georg Rieger". Als Hospital fungierte das Haus in der Vormoderne als Unterbringung für Reisende, Pilger, Arme und Pflegebedürfe. Die Finanzierung erfolgte durch Schenkungen, Pfründe und Kreditgeschäfte. Seit der Moderne wurde das Bürgerspital als kommunaler Fürsorgeort, als Kriegsgefangenenlager und als Altersheim verwendet. Seit 1980 ist hier eine generationenübergreifende Begegnungsstätte eingerichtet.

St. Johann-Kirche mit römischen Spolien in den 1970er Jahren. (© Stadtarchiv Aalen)

Die St.-Johann-Kirche ist nicht nur das älteste Gotteshaus in Aalen, sondern gehört auch zu den ältesten Kirchen in Baden-Württemberg. Vermutlich im 10. Jahrhundert entstand im westlichen Bereich des heutigen Gebäudes ein erstes nahezu quadratisches Gotteshaus, teilweise errichtet aus römischen Spolien, die heute noch sichtbar sind. In den Jahren 1390, 1561 und 1802 wurde die Kirche baulich stark erweitert und verändert. Hintergrund war vor allem die Nutzung als Friedhofskirche für den gleichnamigen Friedhof, der hier im frühen 16. Jahrhundert entstand. Seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts befindet sich der Friedhof in Transformation zu einer Parkanlage. Die St.-Johann-Kirche wird aber weiterhin für Gottesdienste und Kulturveranstaltungen genutzt. Im Innenraum beeindruckt die romanische Freskomalerei des letzten Abendmahls an der westlichen Innenwand von ca. 1200. Von hoher musikalischer Qualität ist schließlich die Allgeyer Orgel von 1802, die damals der Ratsherr Fürgang aus Dankbarkeit über die Rückkehr seiner von zuhause ausgerissenen Tochter gestiftet hat.

Marktplatz 2 um 1950. (© Stadtarchiv Aalen)

Das Fachwerkhaus am Marktplatz 2 wurde vermutlich nach dem Stadtbrand im 17. Jahrhundert errichtet und beherbergt ein repäsentatives Rokoko-Treppenhaus. Die Rückmauer des Gebäudes diente als Teil der Stadtbefestigung. Nach dem Umzug der Verwaltung in das Alte Rathaus 1907 (Marktplatz 4) wurde auch dieses Gebäude zeitweise als Rathaus mitgenutzt. 1979 siedelte das Heimat- und Schubartmuseum vom Spionrathaus in dieses Gebäude über, das ab 1995 als Museum am Markt firmierte. 2007/2008 wurde das Museum geschlossen. Heute dient das Gebäude wieder der Stadtverwaltung.

Dekanat um 1950 (© Stadtarchiv Aalen)

Nachdem Aalen seine Reichsstädtigkeit 1802 verloren hatte und Teil Württembergs geworden war, wurde nach 1808 schrittweise die Stadtbefestigung entfernt. Auf der so freigewordenen Fläche entstanden neue Bauten, u.a. hier am südlichen Stadtraben im Jahr 1813 das evangelische Dekanat als Verwaltungsstelle der evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Der Salvator überragt die westliche Vorstadt Aalens um 1930. (© Stadtarchiv Aalen)

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dank Konfessionsfreiheit im Königreich Württemberg auch in Aalen eine katholische Community, die 1868 über eine Kirche (Alte Marienkirche) verfügte und ab 1873 eine eigene Kirchengemeinde bildete. Da die Alte Marienkirche zu Beginn des 20. Jahrhunderts weder in Größe noch in Wirkung dem Selbstbewusstsein der wachsenden Gemeinde mehr entsprach, entstand ab 1910 an dieser prominenten Stelle auf dem Bohl ein fast viermal größeres Gotteshaus: der Salvator. Die Pläne von Regierungsbaumeister Schlösser aus Stuttgart setzten örtliche Baufirmen (Apprich, Klaus, Berk) um. Die Kosten des am 10. November 1913 konsekrierten Kirchenbaus betrugen 224.200 Mark, wobei König Wilhelm II. selbst 51.000 Mark beisteuerte. Die Architektur der Kirche ist Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins der Katholiken in Aalen. Schon der Aufstieg über die 15 Meter hohe und vier Meter breite Freitreppe sollte Eindruck machen. Vor Selbstbewusstsein strotzen auch die acht Meter hohen ionischen Säulen des Eingangsportals, auf dem in Latein die Inschrift grüßt: "Ihr werdet im Jubel Wasser schöpfen aus den Quellen des Erlösers (Salvator)". Der neobarocke Kirchenbau misst 50 mal 27 Meter und wird überragt von einem 55 Meter hohen Turm - auch das ein Zeichen an die evangelischen Aalenern, deren Stadtkirchenturm nur 36 Meter misst.

Schubartgymnasium um 1913/1914 (© Stadtarchiv Aalen)

Bis 1841 war die Lateinschule die einzige weiterbildende Schule Aalens, die erst dann um eine Realschule ergänzt wurde. Ab 1867 lernte man gemeinsam in einem Schulgebäude ("Alte Gewerbeschule") am heutigen Standort des brutalistischen Rathauses. 1906 wurde die Lateinschule zum Realprogymnasium aufgewertet, in dem nun die Aalener Schüler auch erstmals das Abitur ablegen konnten. Anfang des 20. Jahrhunderts platzte das alte Schulgebäude aus allen Nähten, sodass ab 1909 Pläne entstanden für einen Schulneubau für das Realprogymnasium. 1910 entschied sich der Gemeinderat für den Entwurf des Architektenpaars Bonatz&Scholer: Ein dreiflügliger Schulbau am Hang des Stadtwaldes Rohrwang. Am 3. März 1912 konnte der Bonatzbau mit Festzug vom alten zum neuen Schulgebäude eröffnet werden. Baulich besteht er aus einem 28 Meter langen und 19 Meter tiefen dreistöckigen Mittelbau sowie zwei vorgelagerten Hufeisenförmigen und zweistöckigen Flügelbauten, die je elf Meter lang und 26 Meter breit sind. Insgesamt 27 Klassenzimmer finden so im alten Bau Platz. Die Reliefformen an der Fassade gestaltete der Bildhauer Zeitler aus Stuttgart. Technisch war das Gebäude hochmodern und verfügte über elektrisches Licht, Zentralheizung, automatische Belüftung, Wasser-Klosetts und einer integrierten Vakuumstaubsaugeranlage mit 17 Anschlüssen. Die Gesamtkosten betrugen 463.000 Mark. 1928 wurde der Schulbau um die Jahnturnhalle ergänzt - wiederum ein Werk Bonatz', das nach Blitzeinschlag 1997 komplett neu errichtet werden musste. Seit 1936 firmierte die Schule als Schubart-Oberschule, nach dem Krieg schließlich als Schubart-Gymnasium. 1978 konnte die Stadt den Neubau im vorgelagerten Untergeschoss einweihen - acht Klassenräume und ein neues Foyer nach dem Entwurf von Hammeley-Hanz-Olkus aus Fellbach. 2019 schließlich wurde auf dem Vorplatz der Fachklassentrakt für rund 5,5 Millionen Euro nach Entwürfen des Achitekturbüros Liebel eingeweiht. Im Jahr darauf wurde auch der neue Schulhof fertig.

Bohlschule mit Bohlschulplatz um 1910. (© Stadtarchiv Aalen)

Um 1900 platzten die drei bestehenden Volksschulen aus allen Nähten. Zum Teil wurden 71 Schülerinnen und Schüler in einer Klasse unterrichtet. Im Juli 1904 beschloss daher der Stadtrat, als Schwesterschule der bestehenden Jungsschule in der Gartenstraße eine reine Mädchenschule zu errichten. Für den hiesigen Standort entschied man sich aufgrund der Stadtnähe, des ausreichenden Platzes für einen Schulhof sowie wegen der bereits 1904 hier errichteten Turnhalle nebenan. Umstritten war die Bauform: Während der Gutachter Prof. Theodor Fischer auf einen zweistöckigen Bau drängte, um die Bohlturnhalle nicht zu "erdrücken", forderten die Aalener drei Stockwerke, um sieben Klassenräume mehr (15 statt 8) unterbringen zu können. Angesichts der Schulraumnot setzten sich die Aalener Vorstellungen im Stadtrat 1905 durch. Architektonisch setzte man auf Jugendstilelemente, vor allem bei den Portalen und den bildhauerischen Reliefs sowie beim Turmbau. Bemerkenswert ist schließlich der zeittypische Kellenputz. Ab August 1905 begannen die Bauarbeiten durch die Firmen Apprich (Tiefbau) und Klaus (Hochbau). Am 1. September 1906 konnte der Bau mit einem Festumzug eingeweiht werden, Kostenpunkt für die Schule: 170.000 Mark. Umstritten blieb lange die Namenswahl nach dem Höhenzug Bohl. Der war nicht nur ein gutes Stückchen vom Schulhaus entfernt, der Name wurde auch für zwei weitere Höhen östlich von Aalen und in Unterkochen verwendet. 1967 entstand am Osteingang ein brutalistisches Betonportal, da der eigentliche Haupteingang im Süden durch Straßennähe unattraktiv geworden war. Ab 1970/1971 wurde die Bohlschule von Jungs und Mädchen gleichermaßen als Hauptschule genutzt und erhielt 1986/1987 durch Ausbau des Dachstuhls einen Festsaal. Aufgrund mangelnder Schüleranmeldungen wird die Schule im Sommer 2015 endgültig geschlossen und firmiert seit Herbst 2015 als Bildungszentrum mit Räumen für das Institut für soziale Berufe, für die tamilische Schule, für das Explorhino, die VHS und die Ostalbruassgugga.

Das Schubarthaus um 1930. (© Stadtarchiv Aalen)

Das um 1700 erbaute, dreistöckige Fachwerkhaus wurde 1740 zum neuen Lebensmittelpunkt der Familie Schubart. Ihr Sohn, der spätere berühmte Dichter, Musiker und Journalist Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791), war damals gerade ein Jahr alt. Sein Vater hatte in Aalen eine Vikarstelle angetreten. Hier verbrachte der junge Schubart seine Kindheit: Er besuchte die Aalener Lateinschule (An der Stadtkirche 4) und erlernte nebenan, im spätgotischen Vorgängerbau der heutigen Stadtkirche, das Orgelspiel.

Bereits 1753 verließ er die Stadt für seine weitere Ausbildung – zunächst am Lyzeum in Nördlingen, ab 1756 an der Schule zum Heiligen Geist in Nürnberg und ab 1758 an der Universität Erlangen. Doch schon 1760 kehrte er als „verkrachter Student“ vorübergehend nach Aalen zurück, um mit Gelegenheitsjobs seine Studienschulden zu tilgen. Er predigte gelegentlich und leitete die Stadtmusik, bis er 1763 eine Stelle in Geislingen antrat. Nach Stationen als Hofmusiker in Ludwigsburg und einer rastlosen Wanderzeit als kritischer Geist der Aufklärung folgte 1777 der tiefe Fall: Sein ehemaliger Dienstherr, Herzog Karl Eugen, ließ ihn verhaften und für zehn Jahre auf dem Hohenasperg einkerkern.

Aalen blieb für Schubart zeitlebens die gefühlte Heimat. Bei Besuchen seiner Eltern, die weiterhin in diesem Haus wohnten, kehrte er immer wieder hierher zurück. Über die Stadt und ihre Bewohner dichtete er voller Augenzwinkern:

„In der Reichstadt Aalen, wo zwischen Bergen, Eichenwäldern und dem Fische wimmelnden Kocher 3.000 gesunde, knochenfeste, rauschallende, biedere, altdeutsche Menschen wohnen, hatte die ganze Bürgerschaft die Namen Kasper, Balthes oder Melcher. Die meisten Mädels hießen Urschel, Bärbel oder Ketter. Die Aalener sind geschäftig, wild und stark wie ihre Eichen, Verächter des Auslandes, trotzige Verteidiger ihres Kittels, ihrer Misthaufen und ihrer donnernden Mundart, kurz Bürger von altdeutscher Sitte.“
Die ehemalige Lateinschule um 1900 - ein Geschäftshaus von August Pahl. (© Stadtarchiv Aalen)

In diesem Putzbau aus dem 18. Jahrhundert war bis Mitte des 19. Jahrhunderts die städtische Lateinschule untergebracht. Daran erinnert auch noch die Inschrift des Vorgängerbauwerks aus dem frühen 17. Jahrhundert, die über dem Türsturz angebracht ist. Übersetzt aus dem Lateinischen ist zu lesen: "Gott, dem Besten und Allerhöchsten geweiht. Zur Unterrichtung der Jugend in Gottesfurcht und edlen Künsten haben Bürgermeister und Rat von Aalen diese Elementarschule errichten lassen im Jahre 1616." 

Nachweislich besaß die Reichsstadt Aalen jedoch schon weit früher, mindestens seit 1447, eine Lateinschule. Hier wurden Jungen in den „freien Künsten“ unterrichtet – vor allem in Grammatik, Rhetorik und Dialektik, wobei Latein die verbindliche Unterrichtssprache war.

Nach dem Umzug der Schule Mitte des 19. Jahrhunderts wandelte sich das Gebäude An der Stadtkirche 4 zum Geschäftshaus mit wechselvoller Geschichte: Um 1900 betrieb August Pahl hier ein Textil- und Huthaus (siehe Bild), gefolgt vom Goldschmied Kuhnle und dem Konditor Hieber. 1909 übernahm der aus Kirchheim stammende Textilkaufmann Otto Battenschlag das Anwesen, bevor es 1919 an das Putz- und Damenhutgeschäft Ruff überging, welches von 1931 bis 1955 unter dem Namen Lohmiller firmierte. Heute schließt sich der Kreis zur Moderne: Das historische Gebäude beherbergt ein beliebtes Aalener Restaurant.

Das Bild zeigt das Pahlhaus (Reichsstädter Str. 11). Rechts daneben ist die ehemalige Kanzlei (Reichsstädter Str. 13) angeschnitten. Um 1950. (© Stadtarchiv Aalen)
Die historische Kanzlei: Das nach 1702 errichtete, verputzte Fachwerkhaus in der Reichsstädter Straße 13 diente vom frühen 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts als städtische Kanzlei. Gut ein Jahrhundert lang lenkte hier der Stadtschreiber die Schriftgutverwaltung des reichsstädtischen Magistrats.
Heuchelin: Eine Gedenktafel am Gebäude erinnert an den wohl berühmtesten Sohn des Hauses: den 1767 geborenen Johann Philipp Christian von Heuchelin. Als Sohn des damaligen Stadtschreibers spielte der Jurist und Hofkommissar im Jahr 1802 eine Schlüsselrolle bei der Inbesitznahme Aalens durch Württemberg und stieg später zum königlich württembergischen Staatsrat und Gerichtshofdirektor auf.
Die Vorgeschichte des Standorts reicht jedoch noch weiter zurück, denn vor dem Bau der Kanzlei befand sich auf diesem Areal das bereits 1468 erwähnte Spital zum Heiligen Geist, ein dreistöckiges Gebäude mit integrierter Kapelle, das nach dem Grundstücksverkauf im Jahr 1702 rund zwei Jahrzehnte später an seinen heutigen Standort als Bürgerspital übersiedelte.
Stadtwaage und Mode-Stützel: Nachdem die Kanzlei Anfang des 19. Jahrhunderts in das Spionrathaus verlegt worden war, änderte sich die Nutzung des Gebäudes grundlegend. Während im Erdgeschoss die Stadtwaage einzog, wurden im Obergeschoss die Lateinschule und eine Präzeptorwohnung eingerichtet. Im Jahr 1866 - inzwischen war das neue Schulgebäude am Standort des heutigen brutalistischen Rathauses ("Alte Gewerbeschule") fertig - erwarb Gebhard Stützel das Anwesen und baute es zum Mode-Geschäftshaus „Mode-Stützel“ um. Aus dieser Epoche stammen auch die markanten gusseisernen Säulen, die von den Schwäbischen Hüttenwerken gefertigt wurden.
"Spielzeug-Wanner": Ein Jahrhundert später prägte eine neue Ära das Gebäudeensemble. Im Nachbargebäude mit der Hausnummer 11, dem Geburtshaus des Schriftstellers Johann Gottfried Pahl, betrieb die Familie Brucker damals ein Bürstenfachgeschäft. In den 1960er Jahren erwarb die Familie Wanner dieses Grundstück, ließ das alte Fachwerkhaus für einen Neubau ihres Spielwarengeschäfts abreißen und übernahm in den 1970er Jahren schließlich auch die ehemalige Kanzlei/Geschäft "Mode-Stützel" nebenan. Durch die bauliche Verbindung beider Häuser entstand das bekannte Traditionshaus „Spielzeug Wanner“, das bis zu seiner Schließung im Jahr 2019 Generationen von kleinen Kunden anlockte.
Moderne WiederbelebungNach dem Ende des Spielwarengeschäfts erfuhr das geschichtsträchtige Ensemble in den Jahren 2024/2025 eine umfassende Neuausrichtung: Während in der ehemaligen städtischen Kanzlei in der Reichsstädter Straße 13 ein Café mit angeschlossenem Hotel zum Verweilen einlädt, bereichert eine Buchhandlung im Nachbarhaus Nummer 11 das kulturelle Angebot der Aalener Innenstadt.
Das ehemalige Zollhaus um 1930 in Nutzung als Lederhandlung Friedrich Krauß. (© Stadtarchiv Aalen)
Das historische Fachwerkhaus von 1565 ist ein Zeugnis der Aalener Herrschafts- und Handelsgeschichte. Obwohl Aalen bereits im Jahr 1360 den Status einer eigenständigen Reichsstadt erlangte, blieben entscheidende Privilegien in den Händen der ehemaligen Stadtherren, den Grafen von Oettingen. Ein besonders lukratives Vorrecht war das Zollrecht: Jeder Händler, der Waren in die Stadt bringen wollte, musste eine Abgabe an das Grafenhaus entrichten. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts geschah dies vermutlich in einem Gebäude südlich vor den schützenden Stadtmauern. Im Jahr 1565 errichteten die Grafen schließlich das bis heute erhaltene Fachwerkhaus als festen Sitz für ihren Zollverwalter. Das geschichtsträchtige Bauwerk trotzte im Jahr 1634 dem verheerenden Stadtbrand und blieb über Jahrhunderte hinweg – bis zum Übergang Aalens an das Königreich Württemberg im Jahr 1802 – als Zollstätte in Nutzung. 
Im 19. Jahrhundert wandelte sich das ehemalige Zollhaus zu einem lebendigen Geschäftshaus im Herzen der Stadt. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts (nachweisbar in den Jahren 1908, 1920 und 1930) war hier die  Lederhandlung Friedrich Krauß ansässig. Später nutzte die Möbelwerkstatt Ferber die Räumlichkeiten, um ihre Erzeugnisse werbewirksam zu präsentieren. Heute ist in den historischen Gemäuern ein traditionsreiches Fachgeschäft für Tabakwaren untergebracht.
Tuschezeichnung des Lindenfarbgebäudes um 1800, idealisiert. (© Stadtarchiv Aalen)
Dieses im späten 18. Jahrhundert errichtete Bauwerk ist ein bedeutendes Denkmal der Aalener Handwerksgeschichte. Es markiert den Ursprung der späteren Lindenfarb Textilveredlung und dokumentiert den Wandel von traditioneller Handwerkskunst zur modernen Großindustrie.
In den Jahren 1794/1795 erbaut, diente dieses Haus dem Färber Christoph Fürgang als Betriebsstätte und Wohnhaus. Fürgang, der ursprünglich aus dem sächsischen Radeberg stammte, hatte sich in der freien Reichsstadt Aalen niedergelassen. Mit dem Färben von Wollstoffen erlangte er rasch hohes Ansehen und Wohlstand. Seine Färberei „Zur Lindenfarb“ am Gmünder Torplatz entwickelte sich über Generationen hinweg zu einer festen Instanz in der Stadt.
Mit dem Industriezeitalter wuchs der familiäre Handwerksbetrieb kontinuierlich zu einer modernen Färberei und Wäscherei heran. Mitte des 20. Jahrhunderts stießen die Produktionskapazitäten inmitten der eng bebauten Aalener Innenstadt an ihre logistischen Grenzen.
Um Platz für moderne Großanlagen zu schaffen, folgte 1952 die Verlagerung des Betriebs. Am neuen, wasserreichen Standort in Unterkochen wurde das Unternehmen neu gegründet. Dort entwickelte sich die „Lindenfarb“ zu einem der europaweit größten unabhängigen Textilveredler und High-Tech-Spezialisten für die Automobil-, Luftfahrt- und Medizinbranche.
Mittig im Hintergrund die Rückseite des Hauses Aißlinger um 1930. (© Stadtarchiv Aalen)

Das als „Haus Aißlinger“ oder „Brotstadel“ bekannte, verputzte Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert ist ein klassisches Beispiel für ein Aalener Ackerbürgerhaus. Die großzügige Hofeinfahrt im Erdgeschoss bot einst ausreichend Platz für Erntewagen, etwas Vieh und landwirtschaftliches Gerät. Unter dem Dach hingegen wurde die Ernte gelagert und getrocknet. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war diese Form der Nebenerwerbslandwirtschaft für viele Aalener Bürger lebensnotwendig, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Im Jahr 1949 durch Brand teilweise zerstört, wurde das Haus in der alten Bemalung originalgetreu wiederhergestellt. Zuletzt diente das Haus, das eigentlich aus zwei Haushälften besteht, als Gasthaus und ist im Aalener Volksmund als "Brotstadel" oder "Ältestes Haus von Aalen" bekannt.

Das Gasthaus "Schwanen" ist gut am WIrtshausschild rechts erkennbar, 1925. (© Stadtarchiv Aalen)

Das Gasthaus „Schwanen“ zählt zu den ältesten und traditionsreichsten Wirtshäusern Aalens. Bereits vor 1500 urkundlich erwähnt, wurde das charakteristische Fachwerkgebäude nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg beim großen Stadtbrand von 1634 wieder aufgebaut. Über Jahrhunderte hinweg war das Haus im Herzen der Altstadt ein zentraler Treffpunkt des gesellschaftlichen Lebens.

Im 18. und 19. Jahrhundert prägte die Familie Seifferer die Geschichte des Hauses, die später mit dem Bau der Villa Seifferer im späteren Stadtgarten durch den "Bauwerkmeister" Wilhelm Seifferer in die Stadtgeschichte einging. Im Jahr 1872 erwarb Wilhelm Krauß das Anwesen samt Metzgerei. Über 100 Jahre lang verblieb der "Schwanen" zwar im Familienbesitz, während des Zweiten Weltkriegs allerdings ruhte die Wirtschaftstätigkeit. Wegen der Einberufung ihres Sohnes zur Wehrmacht musste die betagte Wirtin Mathilde Krauß 1940 den "Schwanen" schließen. Erst 1961 gelang es ihrem Sohn, Metzgermeister Wilhelm Krauß, die Wirtschaft neu zu eröffnen. 

Als Treffpunkt für unterschiedlichste Generationen verband der „Schwanen“ Tradition und Zeitgeist: Hier trafen sich Honoratiorenrunden aus Fabrikanten und Lehrern ebenso wie in den 68er-Jahren aufmüpfige Jugendliche, um bei einem Bier Debatten zu führen. Auch politische Bewegungen spiegelten sich wider: So hallte 1848 der revolutionäre Ruf „Der Hecker soll leben!“ aus den Fenstern des Schwanen, als ein Festzug anlässlich des Geburtstags des Königs an der Wirtschaft vorbeizog.

Als das Traditionslokal in den 1970er-Jahren schließen sollte, befasste sich sogar der Gemeinderat mit dem drohenden Ausbluten der Innenstadtgastronomie. Heute erfreut im "Schwanen" eine Eisdiele vor allem im Sommer Groß und Klein mit erfirschenden und süßen Speisen.

Das "Lamm" zu Beginn des 20. Jahrhunderts. (© Stadtarchiv Aalen)

Das historische Gasthaus „Zum Lamm“ in Aalen zählt zu den ältesten Gastbetrieben der ehemaligen Reichsstadt. Bereits vor 1500 lag die Wirtschaft strategisch günstig an der zentralen Durchgangsstraße zwischen dem Gmünder und dem Ellwanger Tor. In der Vormoderne bot sie vor allem durchreisenden Fuhrleuten eine Unterkunft. Zudem diente das „Lamm“ als Trinkstube und Zunftherberge der Aalener Gerber, deren Handwerk zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen der Stadt gehörte und dem Gasthaus wohl seinen Namen gab. Die Hausgestaltung stammte aus dem Jahr 1619. Entsprechend kann man davon ausgehen, dass das Haus den Stadtbrand 1634 überstand.

Ein geschichtliches Highlight erlebte das Haus im Mai 1775 mit der Hochzeit von Johann Konrad Schubart und Katharina Darm, der Jugendliebe des berühmten Dichters Christian Friedrich Daniel Schubart. Dieser trug zur Feier für seinen Bruder Johann Konrad das doppeldeutige Gedicht „Ach Bruder, unserer Jugend Glück“ vor. Wie florierend der Betrieb war, zeigt ein Eintrag von 1808: Mit einer eigenen Bier- und Branntweinbrauerei sowie einem Versicherungswert von 5.000 Gulden gehörte das dreistöckige Gebäude unter dem Lammwirt Johann Jakob Borst zu den wertvollsten Immobilien der Stadt, fast gleichauf mit dem Spionrathaus.

Die Jahrhundertwende brachte eine dynamische Phase mit sich. Nach der Verpachtung durch Carl Haas im Jahr 1882 übernahm 1895 die Brauereigenossenschaft Heidenheim das Anwesen. Es folgten rasche Pächterwechsel unter anderem durch den Metzger Otto Wanner, den Oberbrauer Matthäus Wagner, den Schreiner Wilhelm Bühr und Leonhard Stängler. Ein großer Umbau im Jahr 1910 modernisierte das Gebäude und schuf 13 Fremdenzimmer für Reisende. Das Ende des traditionellen Gasthofbetriebs kam schließlich 1919 mit dem Verkauf an den Kaufmann Wilhelm Stutzmann. Dieser vollzog im Oktober 1920 einen geschickten Funktionstausch: Er übertrug die Gastwirtschaftsrechte auf sein Haus in der Löwenstraße und baute das traditionsreiche „Lamm“ in ein reines Geschäftshaus um. 2022/2023 wurde das Gebäude umfangreich saniert, wobei auch die Fassade samt Relief wieder zum Strahlen gebracht wurden.


Das Café Kaiser um 1930 im Vordergrund. Dahinter die Gebäude des Gasthauses Bären (Reichsstädter Str. 5/7). (© Stadtarchiv Aalen)

Das Gasthaus „Bären“ blickt auf eine vielschichtige Geschichte in Aalen zurück, die an zwei verschiedenen Standorten verankert ist. Der ursprüngliche, erste „Bären“ befand sich im Gebäude Reichsstädter Straße 3 (damals: Hauptstraße 3, später zeitweise Modehaus Kempf). Da dieses Haus direkt an das alte Spion-Rathaus angrenzte, gab es einst eine direkte Verbindungstür zu den Ratskanzleien. Überlieferungen zufolge nutzten etliche Ratsherren diese Tür für heimliche Einkehrpausen während der Sitzungen, weshalb die Bürgerschaft 1735 protestierte und das Zumauern der Tür erzwang. Die früheste Erwähnung der „Herberge zum schwarzen Bären“ stammt bereits aus dem Jahr 1578.

Nach wechselnden Besitzern stellte Kaufmann Christian Kempf 1890 den Gastronomiebetrieb am Ursprungsort ein, hielt jedoch die Schankkonzession aufrecht. Diese übernahm 1896 der Konditor Gustav Böhringer und begründete im Haus Reichsstädter Straße 5 (damals: Hauptstraße. 5) das „Café Bären“ – den zweiten „Bären“. Durch Erweiterung und Umbau des Nachbargrundstücks im Jahr 1907 entstand schließlich ein moderner Gasthof. Zusammen mit dem Hotel „Königin Olga“ entwickelte er sich zu einer der angesehensten Adressen der Stadt. Beliebt war der „Bären“ vor allem bei Besuchern des nahegelegenen Spritzenhaussaals nach Konzert- und Theateraufführungen. Wenn es bei den Gästen wieder einmal später wurde, pflegte die Bärenwirtin die Sperrstunde auf ihre eigene Art einzuläuten: „Mädla, machat d’Fenster auf, d’Herra wöllat hoim!“

Im Jahr 1953 schloss der „Bären“ nach 57 Jahren an seinem zweiten Standort endgültig seine Pforten. Das Gebäude wurde vom Verleger Dr. Konrad Theiss umgebaut und diente fortan als Verlagshaus für die Schwäbische Post. Zudem zog zeitweise das traditionsreiche Lederwarengeschäft Irmler in die Räumlichkeiten ein, während im ersten Obergeschoss Arztpraxen und Büros eine neue Heimat fanden. 2025 bezog die SDZ Mediengruppe nach umfassenden Sanierungsarbeiten und einem Brand im Oktober 2024 das Gebäude wieder als zentralen Medienhaus samt Café im Erdgeschoss.

Rechts hinter dem damals noch bestehenden Ellwanger Torhaus ist das Gasthaus "Rose" gut zu erkennen., um 1930. (© Stadtarchiv Aalen)

Das am östlichen Zugang zur heutigen Reichsstädter Straße gelegene Gasthaus „Rose“ blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Obwohl das Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert wesentlich älter ist und einst direkt an der Aalener Stadtmauer neben dem früheren Ellwanger Torhäusle stand, wird die Wirtschaft in den städtischen Archivakten erstmals 1877 offiziell erwähnt. Damals erwarb der Bäcker Jakob Schanbacher das Anwesen und betrieb im Keller eine eigene Bäckerei.

Eine besondere historische Bedeutung erlangte die „Rose“ während des Dritten Reichs: Im Jahr 1936 geriet das Lokal in das Visier der Gestapo. Ermittlungen ergaben, dass das Wirtshaus als heimlicher Treffpunkt ehemaliger Mitglieder der Aalener Sozialdemokraten und weiterer Regimegegner diente, woraufhin die Politische Polizei eine systematische Überwachung anordnete. Auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit stand die „Rose“ im Fokus der Behörden: Wegen illegalen Glücksspiels (das Kartenspiel 17&4) und des blühenden Schwarzhandels mit amerikanischen Zigaretten geriet der damalige Wirt Albert Hirsch sogar zeitweise in das Visier der US-Militärpolizei.

Knapp ein halbes Jahrhundert lang – von 1928 bis 1977 – prägte die Familie Hirsch das Traditionslokal. Nach einer umfassenden Modernisierung 1966 erhielt das Wirtshaus in den 1970er-Jahren schließlich auch die Genehmigung für eine Außenbewirtung im Zuge der Neugestaltung der Fußgängerzone.

Mit dem Ende der Familienära entwickelte sich die „Rose“ zu einem der wandlungsfähigsten Gastronomiebetriebe der Stadt. Über die Jahrzehnte folgten zahlreiche Pächterwechsel, Nutzungsänderungen und Neueröffnungen – vom Rock-Café über eine Videothek bis hin zu unterschiedlichsten internationalen Speiselokalen, was den Wandel der Aalener Gastronomiekultur eindrucksvoll widerspiegelt.

Das neue Rathaus zur Einweihung am 20. September 1975. (© Stadtarchiv Aalen)
Dieses monumentale Bauwerk der Moderne wurde am 20. September 1975 feierlich eingeweiht. Es dokumentiert den tiefgreifenden Wandel Aalens in der Nachkriegszeit und markiert den Höhepunkt einer Entwicklung, als Aalen 1975 im Zuge der Kommunalreform sich von einer Kleinstadt in eine moderne und lebendige große Mittelstadt mit fast 70.000 Einwohnern entwickelte.
Vor dem Bau des neuen Rathauses war war die städtische Verwaltung zeitweise provisorisch auf bis zu vierzehn verschiedene Gebäude im Stadtgebiet verteilt, was Bürger und Ämter vor enorme logistische Herausforderungen stellte. Bereits Ende der 1930er Jahre reiften unter Oberbürgermeister Dr. Schübel daher erste Pläne für einen zentralen Neubau, doch erst 1965 konnte das benötigte, rund einen halben Hektar große Areal im Herzen der Stadt erworben werden. Den anschließenden Architekturwettbewerb gewann der Gropius-Schüler Helmut Schaber. Nach einer politisch und planerisch bedingten Verzögerung – unter anderem durch den vierspurigen Ausbau der benachbarten Bundesstraße, der eine spürbare Schlankung und Erhöhung des Baukörpers erzwang – erfolgte im Mai 1972 schließlich der erste Spatenstich.
Architektonisch ist das Rathaus ein herausragendes und zugleich viel diskutiertes Zeugnis des Brutalismus. Geprägt von der markanten Optik des Sichtbetons („Beton brut“) und großflächigen Glasfronten, verfolgte der Entwurf ein zutiefst demokratisches Konzept: Ein offenes, einladendes Forum für die Bürgerschaft zu schaffen. Während die eigentliche Verwaltung im Hochhaustrakt untergebracht ist, wurde der Ratssaal als Kern der kommunalen Selbstverwaltung bewusst sichtbar aus dem Baukörper herausgehoben. Das pyramidenförmig gestufte Foyer verlängert den historischen Straßenmarkt direkt in das Gebäude hinein - ein Forum für die Bürger.
Mit seinen 243 Arbeitsräumen, einem integrierten Ratskeller (heute keine Gastwirtschaft mehr) und dem im Turm installierten Glockenspiel mit 35 Glocken bildete der 23 Millionen DM teure Bau den städtebaulichen Schlussstein der Ära Schübel. Die Einweihung war zeitgleich die Geburtsstunde der bis heute gefeierten Reichsstädter Tage, die als Fest der Begegnung das Zusammenwachsen der neuen Stadtbezirke besiegeln sollten. So steht dieses Gebäude bis heute als unübersehbarer Ausdruck bürgerschaftlichen Selbstbewusstseins und als ein offenes Haus für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Aalen.
Radgasse nach Einrichtung der Fußgängerzone 1979. (© Stadtarchiv Aalen)
Die Fußgängerzone ist weit mehr als eine Flaniermeile – sie ist das nachhaltig geprägte Gesicht der Aalener Innenstadt. Ihr Entstehen verdankt dieser Stadtraum dem Mut und Weitblick des Architekten und Stadtplaners Heinz Lermann (Freie Planungsgruppe 7, Stuttgart), dessen Entwurf 1971 den städtebaulichen Wettbewerb zur Neugestaltung der Innenstadt gewann.
Lermanns Konzept stellte bewusst eine Verbindung zur römischen Vergangenheit der Stadt und zur regionalen Eisenhüttentradition her. Bis heute prägen seine gestalterischen Ideen das alltägliche Leben: Der Pflasterbelag aus italienischem Porphyr, die hellen Travertinbänder zur Markierung der einstigen Stadtbäche, Elemente aus Juradolomit und die charakteristischen gusseisernen Regenabläufe verleihen der Altstadt ihre unverwechselbare Identität. Zudem wurden Plätze als eigenständige, farbenfrohe Oasen konzipiert – erlebbar am Marktbrunnen, dem Karussell am Saint-Lô-Platz oder dem Regenbaum in der Beinstraße.
Nach anfänglicher Zurückhaltung wich die Skepsis der Bürger einer breiten Begeisterung, als die Fußgängerzone am 5. Mai 1979 offiziell freigegeben wurde. Als emotionales Symbol für den Beginn „goldener Zeiten“ schenkte Heinz Lermann der Stadt damals Goldfische für den Marktbrunnen. Für ihre herausragende Aufenthaltsqualität und Lebendigkeit wurde die Innenstadt 1986 von der Architektenkammer Baden-Württemberg mit dem Preis für vorbildliches Bauen ausgezeichnet.
Heinz Lermann, der zeitlebens eng mit Aalen verbunden blieb, betonte stets: „Das Besondere ist, dass die Aalener selbst und die Umgebung diese Stadt sehr lieben.“