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Kriegerdenkmal am St. Johann-Friedhof

Vom Heldengedenken zur Friedensmahnung

Das 1933 errichtete Kriegerdenkmal am St.-Johann-Friedhof verherrlichte das Sterben im Ersten Weltkrieg als „Heldentod" für das Vaterland. Um sich von dieser Kriegsglorifizierung zu distanzieren, ersetzte der Gemeinderat das Denkmal 1954 durch den Mahnmalturm - ein klares Bekenntnis zu Frieden und Demokratie.

Das Kriegerdenkmal im Frühjahr 2026. (© Stadtarchiv Aalen)

Im Ersten Weltkrieg verloren fast 400 Soldaten aus der Aalener Kernstadt ihr Leben - ihre Namen finden Sie in der Zusammenstellung zum Download siehe unten. Bereits im Jahr 1920 erwuchs in der Bevölkerung der Wunsch, den trauernden Angehörigen eine würdige Gedenkstätte zu errichten. Finanzielle Engpässe und die Streitfrage, wo und wie den Toten gedacht werden sollte, verzögerten die Umsetzung jedoch um 13 Jahre. Erst am 30. März 1933 einigte sich der Aalener Gemeinderat, am Sankt-Johann-Friedhof neben dem Kriegerdenkmal für die Teilnehmer des Deutsch-Französischen Krieges (errichtet 1895) eine überkonfessionelle Gedenkstätte zu errichten. Bei dem folgenden Architektenwettbewerb entschied sich die Jury im Juli 1933 für den Entwurf des in Aalen aufgewachsenen Gottfried Dauner (1908-1980).

Völkisches Heldengedenken

"Heldengedenktag" am 13. März 1944. (© Stadtarchiv Aalen)

Sein Konzept sah vier parallel stehende Blöcke aus Muschelkalk vor, die mit Opferschalen versehen einen monumentalen Denkmalweg zum Friedhof bildeten und jeweils ein Kriegsjahr symbolisierten. Dauners Idee: Die Aalener sollten auf dem Weg zum Friedhof der Toten gedenken, deren Namen der Architekt auf den Vorderseiten der Blöcke verewigte. Beim Verlassen des Friedhofs sollte ein patriotisch-völkisches Gedicht auf der Rückseite der Blöcke den Trauernden Trost spenden:

„Taten des Mutes Saates des Blutes,

Heldischer Tod in Vaterlands Not,

Dem Volke das Leben zum Opfer gegeben,

Gott läßt draus werden Friede auf Erden."

Dauner bediente mit diesem Gedicht patriotische Ideen des 19. Jahrhunderts und völkische Vorstellungen seiner Gegenwart. In einer klassischen Blut-und-Boden-Metaphorik deutete er das vergossene Blut der Soldaten als Saat für das Weiterleben des eigenen Volkes, womit er den Krieg sakralisierte und den Heldentod idealisierte. Dieses Gedankengut war anschlussfähig an die Ideologie der Nationalsozialisten, die das Denkmal bereits bei der Einweihung am Totensonntag 1933 für sich vereinnahmten. Kreisleiter Adolf Kling deutete die Anlage kurzerhand in Dankmäler für die Großtaten Adolf Hitlers um. Bis 1945 diente der Ort als Kulisse für den nationalsozialistischen „Heldengedenktag".

Downloads

Glocken für den Frieden

Der Mahnmalturm auf der Schillerhöhe im Sommer 1955. (© Stadtarchiv Aalen)

Auch aus diesem Grund entschied der Gemeinderat im Sommer 1952, sich von diesem Kriegerdenkmal zu distanzieren und es durch ein neues Mahnmal auf der Schillerhöhe zu ersetzen. Im Sinne der jungen Demokratie sollte bei diesem Mahnmalturm, der im Gedenken die Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs einschloss, auf alles verzichtet werden, was irgendwie als eine Glorifizierung des Krieges hätte mißdeutet werden können. Zum Volkstrauertag 1954 weihte die Stadtgesellschaft den Mahnmalturm ein, dessen Glocken jeden Abend um 19:45 Uhr an die Toten erinnern und zum Frieden mahnen. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich der Mahnmalturm zum zentralen Gedenkort für die Opfer des Krieges - damals in Aalen und heute weltweit.

Kriegerdenkmal im Kontext

Mit Anzeigen wie dieser aus den 1920er Jahre forderte die Stadtverwaltung auf, fehlende Namen bei den Gefallenen zu ergänzen. (© Stadtarchiv Aalen)

Aufgrund der historischen Vorbelastung des alten Kriegerdenkmals sowie des ersetzenden Charakters des Mahnmalturms entschied der Gemeinderat im Mai 2026, auf eine Sanierung zu verzichten und stattdessen die vier Blöcke Dauners mit einem Informationspult zu kontextualisieren. Um unabhängig vom Zustand der Schriften dennoch ein dauerhaftes Totengedenken zu gewährleisten, sind die Namen der Gefallenen in der historischen Zeitungsanzeige anbei sowie über den Download oben mit der nachträglichen Auflistung aus den 1950er Jahren detailliert nachvollziehbar.