Neues Rehabilitationszentrum in der Partnerstadt eröffnet
Mit Unterstützung aus Aalen ist in der türkischen Partnerstadt Hatay ein neues Zentrum für Rehabilitation und Gesundheit eröffnet worden. Mehr als 1000 Menschen nahmen am Montag, 26. Oktober, an der Feier im Antakyaner Stadtteil Saraycık teil. Zu den Gästen von Hatays Oberbürgermeister Mehmet Öntürk gehörten Oberbürgermeister Frederick Brütting und eine Aalener Delegation. Das „Sağlıklı Yaşam Merkezi“, auf Deutsch „Zentrum für gesundes Leben“, bietet kostenlose Hilfe für Menschen, die unter anderem mit den körperlichen und seelischen Folgen des Erdbebens vom 6. Februar 2023 leben.
„Uns war von Anfang an wichtig, dass die Spenden aus Aalen langfristig wirken. Mit dem Zentrum erhalten Menschen Hilfe, die noch immer unter den Folgen des Erdbebens leiden. Es gibt viele sichtbare, aber auch unsichtbare Wunden, die noch heilen müssen. Wir sind froh, dass wir einen Beitrag leisten können. Hier wird sichtbar, was Städtepartnerschaften konkret bewirken“, betonte Brütting.
Das Zentrum verbindet Physiotherapie und Rehabilitation mit psychologischer und psychosozialer Unterstützung. Es richtet sich insbesondere an Menschen mit Behinderungen, ältere und kranke Menschen sowie an Kinder und Familien. Dazu gehören auch Menschen, die beim Erdbeben schwer verletzt wurden, Gliedmaßen verloren haben oder traumatisiert sind.
Auf einem rund 6230 Quadratmeter großen Gelände stehen unter anderem neun Räume für Physiotherapie und Rehabilitation sowie ein Therapiebecken zur Verfügung. Zum Angebot gehören außerdem die Förderung der kindlichen Entwicklung und Bewegungsangebote. Ein Fahrdienst erleichtert den Zugang zu den Leistungen.
Aalen und Kiel haben jeweils 500.000 Euro aus Spenden für das Zentrum bereitgestellt. Dortmund beteiligte sich als weiterer Projektpartner mit medizinischen Geräten im Wert von 150.000 Euro. Die Dortmunder Unterstützung wurde über den Verein Dortmund Çukurova e. V. mit dessen Vorsitzendem Yaşar Bağdat eingebracht. Aus Kiel nahm Stadtpräsidentin Bettina Aust an der Eröffnung teil. Die Aalener Delegation brachte einen weiteren Spendenscheck über 30.000 Euro mit. Diese Gelder stammen noch aus den Spenden, die Aalener Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen für die Erdbebenhilfe geleistet haben.
Die Hilfe aus Aalen hatte unmittelbar nach dem Erdbeben begonnen. Insgesamt machten sich 29 Lastwagen mit Hilfsgütern auf den Weg in die betroffene Region. Gemeinsam mit dem DRK-Kreisverband Aalen hatte die Stadt zudem ein Spendenkonto eingerichtet. Mehr als 800.000 Euro kamen im Rahmen der Aalener Hilfsaktion zusammen. Ein Teil der Gelder wurde bereits für die Soforthilfe und die Hilfstransporte eingesetzt.
Zugleich verfolgte Aalen das Ziel, mit den Spenden dauerhaft vor Ort zu helfen. Bei den Reichsstädter Tagen im September 2024 unterzeichneten Vertreter der Städte Aalen, Kiel und Hatay eine gemeinsame Absichtserklärung zum Bau des Rehabilitationszentrums. Die Stadtverwaltung Hatay übernahm die Planung und die Umsetzung und ist für den Betrieb verantwortlich. Die Gesamtkosten belaufen sich auf ca. drei Millionen Euro.
Mehmet Öntürk dankte für die Unterstützung und die Verbundenheit mit den Menschen in Hatay. „Das werden wir euch nie vergessen, Hatay wird neu geboren“, sagte der Oberbürgermeister.
Während ihres Aufenthalts gewinnt die Aalener Delegation auch einen Eindruck vom Wiederaufbau. Im Stadtzentrum sind große Fortschritte sichtbar, zugleich prägen weiterhin große Baustellen das Bild. Neue Wohnungen entstehen, Containersiedlungen werden nach und nach aufgelöst. Auch historische Gebäude, die Habib-i-Neccar-Moschee, die katholische Kirche, die Synagoge und das traditionelle Geschäftsviertel werden wiederhergestellt. Dazu zählen die Kurtuluş-Straße und der historische Basar Uzun Çarşı.
Zur Aalener Delegation gehören neben Oberbürgermeister Frederick Brütting die Gemeinderatsmitglieder David Auer (CDU), Doris Klein (Grüne), Petra Pachner (SPD), Seren Yilmaz (Vision Aalen) sowie Roland Hamm vom Städtepartnerschaftsverein Aalen und Vecdi Temizkan, Vorstandsvorsitzender des Kulturclubs Antakya-Aalen e. V. Seren Yilmaz brachte zudem einen Koffer voller Teddybären für die psychologische Arbeit im Zentrum mit.
Die Städtepartnerschaft besteht seit 1995. Der damalige Oberbürgermeister Ulrich Pfeifle unterzeichnete die Partnerschaftsurkunde und gab damit den bereits bestehenden freundschaftlichen Beziehungen einen offiziellen Rahmen. Viele Aalenerinnen und Aalener haben familiäre Wurzeln in Antakya. 2015 wurde die Partnerschaft auf die Metropolregion Hatay erweitert.
Antakya liegt im Süden der Türkei nahe der syrischen Grenze und ist als das antike Antiochia bekannt. Die Beziehungen leben vom persönlichen Austausch, dem Engagement des Städtepartnerschaftsvereins Aalen und des Kulturclubs Antakya-Aalen sowie von Begegnungen zwischen Schulen. Auch die Schulpartnerschaft zwischen dem Schubart-Gymnasium und dem Selim Nevzat Şahin Anadolu Lisesi besteht seit 1995. Im Sommer 2025 besuchte erstmals seit dem Erdbeben wieder eine Schülergruppe aus Antakya Aalen.
PNr. 692/2026