Wie Landkarten entstehen, wie sie sich im Laufe der Jahrhunderte verändert haben und welche Geschichten sie über eine Stadt erzählen, konnten Kinder und Erwachsene bei einer gemeinsamen Ferienprogramm-Aktion der Stadt Aalen und des Geschichtsvereins Aalen erleben.
Landkarten begegnen uns heute ganz selbstverständlich auf dem Smartphone, im Auto oder im Fernsehen. Vom Stadtplan bis zur Weltkarte helfen sie bei der Orientierung und bilden Teile unserer Umwelt ab. Gleichzeitig sind historische Karten wichtige Zeitzeugnisse: Sie zeigen, wie sich Landschaften, Verkehrswege und Städte im Laufe der Zeit verändert haben.
Wie Karten früher entstanden und mit welchen Verfahren sie heute hergestellt werden, stand im Mittelpunkt einer Ferienprogramm-Veranstaltung des Geschichtsvereins Aalen in Kooperation mit der Stadt Aalen. Die Entdeckungsreise führte die Teilnehmenden dabei durch das gesamte Rathaus – vom Besprechungsraum über das Dach bis hinunter in die Räume des Stadtarchivs.
Ulrich Holzbaur, Vorsitzender des Geschichtsvereins Aalen, begrüßte die Kinder und Erwachsenen. Der Mathematiker war viele Jahre Professor an der Hochschule Aalen und verfügt zudem über Erfahrungen in den Bereichen Geodäsie, Vermessung und Kartenherstellung. Von den Straßenkarten der Römer über Carl Friedrich Gauß und die Landesvermessung bis hin zu modernen digitalen Verfahren spannte er einen weiten historischen Bogen.
Wie Karten heute beim Amt für Bauverwaltung und Vermessung entstehen, erläuterte Andreas Ringlau. Er stellte verschiedene Geräte und Verfahren vor – vom Nivellier und Theodolit über Tachymeter und GPS bis zur Vermessung mithilfe von Drohnen. Dabei erklärte er auch, wie aus zahlreichen einzelnen Fotografien digitale Daten und schließlich präzise Karten und Geländemodelle entstehen.
Besonders anschaulich wurde es anschließend auf dem Dach des Rathauses. Dort ließ Bettina Neher eine Vermessungsdrohne aufsteigen und Reihenaufnahmen des Gaulbads anfertigen. So konnten die Teilnehmenden unmittelbar miterleben, wie moderne Vermessungsarbeit aus der Luft funktioniert.
Vom Rathausdach führte der Weg anschließend hinunter in den Keller. Till Soppa vom Stadtarchiv Aalen gab Einblicke in die Aufgaben und den Aufbau des Archivs. Er erläuterte, wie historische Unterlagen systematisch erfasst, aufbewahrt und zunehmend digitalisiert werden. Anhand ausgewählter alter Karten und weiterer historischer Dokumente wurde deutlich, wie sich die Entwicklung Aalens über lange Zeiträume nachvollziehen lässt.
Zum Abschluss präsentierte Gerhard Kayser, Ehrenmitglied des Geschichtsvereins, Postkarten aus seiner Sammlung. Von den Anfängen der Postkarte bis zur modernen Ansichtskarte verband er die Entwicklung dieses Mediums mit persönlichen Erinnerungen und der eigenen Familiengeschichte.
Als Erinnerung an den abwechslungsreichen Nachmittag konnten die Teilnehmenden thematische Karten der Tourist-Information sowie einen aktuellen Stadtplan des Vermessungsamts mit nach Hause nehmen.
PNr. 513/2026